Vor der Soß sind alle gleich

Der Normen sind genug gedrechselt, lasst uns endlich freie Gemüse sehn


Gerichtsbericht: Werner Meisinger

Stadtleben, FALTER 39/16 vom 28.09.2016

Vor kurzem durfte ich mich an dieser Stelle für die Wiedereinführung der Zensur verwenden. Diese Maßnahme erscheint mir nötig, um das christliche Abendland vor weiterem Schaden durch unsinniges Sozialmediengewäsch zu bewahren. Nicht unerwartet ist darauf der Sturm der Entrüstung ausgeblieben. Das Bild eines enthaupteten Krautschädels hat alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen, der Text blieb unbeachtet.

Dieser Reflex der Kontextverdrängung wirkt auch auf anderen Kommunikationsplattformen volkssedierend. Wenn das Bild etwas hergibt, wird der Text gleichgültig. Was man auch daran erkennen kann: In London hat ein Verein smarter Zeitgenossen eine U-Bahn-Station mit Katzenbildern statt Werbung plakatiert. Jetzt reden alle über die Katzen. Und allen ist egal, dass damit die optische Vermüllung des öffentlichen Raums thematisiert werden sollte. Erfolg der Aktion: fragwürdig. Katzenbilder gibt es im öffentlichen Raum genug (wenn man Smartphones zu den öffentlichen Bedürfnisanstalten

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