Zwei Wiener und das grüne Herz

Der Nino aus Wien und Natalie Ofenböck haben der Steiermark einen Liedzyklus gewidmet, "Das grüne Album"

Sebastian Fasthuber | Lexikon | aus FALTER 39/16 vom 28.09.2016

Er trägt seine Herkunft im Namen und ist von dumpfem Lokalpatriotismus doch denkbar weit entfernt. Im Gegenteil, Der Nino aus Wien fährt gern herum und schaut sich Sachen an; die Liebe zur Adria ist auch musikalisch dokumentiert. Nun hat er mit seiner Partnerin Natalie Ofenböck auf Einladung des Steirischen Herbsts die grüne Mark erkundet und seine Liebe zur steirischen Harmonika entdeckt.

Aus vielen Erlebnissen, Beobachtungen und Begegnungen in Mariazell, Graz, Bad Radkersburg oder irgendwo in kleinen Dörfern, mit Bürgermeistern, Musikern und Winzern formten die beiden einen Liedzyklus, der nun live präsentiert wird und unter dem Titel "Das grüne Album" auch als Buch samt CD erscheint. Es ist eines der schönsten Nino-Alben geworden.

Die Symbiose aus den für ihn typischen Liedern mit wienerischer Färbung und lokaler Folklore - damit ist ausdrücklich auch das gemeint, was man Volksmusik nennt, man höre etwa "A oarge Gschicht" oder "Graz" - funktioniert erstaunlich gut. Wahrscheinlich liegt es daran, dass das Duo mit offenen Augen und ebensolchen Herzen losgefahren ist. Als Großstadtkinder begegnen sie dem Landleben mit einem neugierigen Staunen. Schau da, ein Klapotetz! Witzig, auf der Straße sagt jeder "du"! Und die Kirchen sind ja größer als die Orte!

Der Songreigen gerät zum musikalischen Roadmovie, hinter jedem Hügel wartet ein Szenenwechsel. Entsprechend bunt und vielgestaltig klingt die Musik, die von poetischem Singer/Songwriter-Pop über krachige Rocksongs und lustige Mitsingstücke bis zu Volksmusikalischem reicht. Ein Sauflied, das sich an dem Wort "Mischung" berauscht, ist ebenso enthalten wie ein gewagter "Harmonika Rap".

Klischees bedienen die Lieder nicht, sie spielen höchstens schelmisch mit ihnen und überprüfen sie auf ihren Wahrheitsgrad. Und vielleicht hilft so eine Reise ja auch, sich abseits der gewohnten Umgebung selbst besser kennenzulernen.

Marenzikeller Leibnitz, Fr 22.00 Orpheum Graz, Sa 21.30


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