Film Neu im Kino

Suicide Squad mit Bärten: "Die glorreichen Sieben"

Drehli Robnik | Lexikon | aus FALTER 39/16 vom 28.09.2016

Der Film ,,Die glorreichen Sieben" ist das Remake des gleichnamigen Gunslinger-Teamwork-Westerns von 1960, folgt aber dem Skript von Akira Kurosawas "Die sieben Samurai" von 1954 (auf dem wiederum sechs Jahre später der Western basierte). So heißt es im Abspann und im Promo-Interview zur aktuellen Verfilmung. Immerhin ist nun, wenn schon kein Samurai so doch ein Schwertkämpfer, gespielt vom Koreaner Byung-hun Lee, Teil der "Magnificent Seven"(O-Titel) im Western-Outfit.

Das ist nicht die einzige ethnische Innovation. Der 1960er-Film zeigte, ganz kolonial, die mexikanischen Bauern, denen sieben Amis gegen lokale Mordbrenner beistehen müssen, als feig und blöd; zugleich aber wurden sie im Dialog von ihren US-Helfern um ihr sesshaftes Leben beneidet und so als legitime Spießer rehabilitiert. Würde der 2016er-Film Mexikaner so zeigen, als Dillo-Dorf bzw. Killergang, wäre er für Trump. Ist aber nicht so: Er spielt in den USA, der Schurke ist quasi Immobilienhai (Peter Sarsgaard als Grundherr); die multiethnischen Sieben (Schwarz, Weiß, American Native, Latino, Asian) führt Denzel Washington an, wieder unter seinem Hausregisseur Antoine Fuqua. Aus dem farblosen Dorfvolk sticht Haley Bennett als Girl with a Gun hervor.

In den Sixties waren die Sieben wortkarg, gelassen und prägend für Eastwoods und Djangos Coolness-Etüden; heute sind sie den Plaudertaschen von Tarantino-Western nachgestaltet. Einstige Outsider-Melancholie weicht dem Freak-Chic einer Saloon-Therapiegruppe. Ethan Hawke ist schön schäbig, Chris Pratt wär gern lustig. Mehr erdig als nerdig ist die Action: knarrende Balken, rauschende Bärte, rauchende Colts, rächende Burschen. Am Ende Endlosgeballer, gute Stunts vom Pferd oder Dach aus, Westernkulissenstadtshow. Ist eh okay. Zuletzt kommt noch Elmer Bernsteins tolles Titelthema.

Bereits im Kino (OF im Artis und Haydn)


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