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Benedikt Narodoslawsky | Falter & Meinung | aus FALTER 39/16 vom 28.09.2016

Hinter Barbara Blaha hängt ein Penis, er hat einen Preis gewonnen. "Award of Excellence" steht auf dem gerahmten gliedförmigen Layout, Thema: Sex. Drumherum eine Reihe weiterer Rahmen. Eine Burka-Frau, ein Schäferhund, Hans Dichand.

Das sei bloß ein winziger Ausschnitt jener Layout-Auszeichnungen, die die Grafikabteilung für den Falter gewann, erklärt Art-Director Dirk Merbach. Auf seinem Desktop wählt er mit Layoutchef Raphael Moser gerade ein Best-of des Jahres aus, um es bei einem internationalen Layout-Wettbewerb einzureichen.

Der Anblick der eigenen Werke schafft eine Atmosphäre der Zuversicht, das Gefühl wird sich im Laufe des Abends zur Siegesgewissheit steigern wie Maurice Ravels "Boléro". Immer lauter tönen die Sätze wie "Das ist richtig gut!" oder "Das ist fast noch schöner!", und durch die stolzironische Tonlage muss man gar nicht erst fragen, wer die besungenen Seiten einst erschaffen hat. Immer der, der singt.

"Auch ein super Blickwinkel." "Sehr schön. Das können wir für die Gesamtausgabe nehmen!""Das ist fast noch besser."

Irgendwann wirft Bildgestalter Reinhard Hackl ein, dass ein gelungenes Layout vor allem von der Bildbearbeitung abhänge, woraufhin Merbach erwidert, dass der Preisregen erst mit seiner Ankunft in Wien begann, worüber Moser nur milde lächeln kann und über ein Layout von ihm sagt: "Das ist fast noch schöner!"

Nur Barbara Blaha und Oliver Hofmann verhalten sich still. Irgendwer muss am Montag schließlich auch was hackeln.


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