Buch der Stunde

Werte sind Münzen im alltäglichen Moraldiskurs

Kirstin Breitenfellner | Feuilleton | aus FALTER 39/16 vom 28.09.2016

Eigentlich wollte Andreas Urs Sommer dem "allgegenwärtigen Wertgerede" entschlossen widersprechen, kamen ihm Werte doch "wie nichtswürdige Ausgeburten einer auf ihren frivolen Moralismus stolzen Gegenwart vor". Aber wenn man einmal anfängt, über etwas nachzudenken, erweist es sich meistens als komplexer als vermutet. Am Schluss seines Buchs mit dem Titel "Werte. Warum man sie braucht, obwohl es sie nicht gibt" vergleicht Sommer Werte mit hilfreichen Nutztieren, die "erstaunlich zahm und ja sogar nützlich sind, wenn eine Gesellschaft wie die unsrige den Anspruch auf letzte Wahrheit preisgegeben hat".

Jeder Mensch, aber auch Tiere und Pflanzen bewerten automatisch. Werten bedeutet schätzen, vergleichen, was für einen zuträglich ist und was nicht. Es erfordert keine Vernunft, sondern wird von Bedürfnissen bestimmt. Werte gibt es nicht "an sich", betont Sommer, sie sind Fiktionen, die aus dem Akt des Bewertens hervorgehen und nicht von diesem unabhängig existieren und nur noch "entdeckt"

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