Theater Kritiken

Der Dichtkunst Stimme nicht vernommen

Lexikon | MP | aus FALTER 39/16 vom 28.09.2016

Goethes Drama "Torquato Tasso" hat das Problem, dass darin nur einer ein Problem hat: die Titelfigur. Der Dichter (schrullig-narzisstisch: Philipp Hauß) fühlt sich von seinem Umfeld, dem Hofe des Herzogs zu Ferrara (Ignaz Kirchner), nicht ernst genommen und düpiert daher alle, die eigentlich nett zu ihm sind (Dorothee Hartinger, Andrea Wenzl, Ole Lagerpusch). Bühnenbildner Volker Hintermeier transportiert diesen Gedanken in ein Museum moderner Kunst: "nice to have", aber so richtig versteht keiner, worum's geht. Das gilt in Martin Laberenz' - in Ansätzen interessanter -Inszenierung auch für die meisten Dialoge und Monologe, über die die Akteure hinwegfegen wie in einem Textdurchlauf. "Wer der Dichtkunst Stimme nicht vernimmt, ist ein Barbar", behauptet der Herzog. Die meisten Zuschauer bleiben an diesem Abend also Barbaren.

Burgtheater, Fr, Do 20.00, So 19.00


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