Menschen

Humor braucht der Mensch

Falters Zoo | Lukas Matzinger, Nicole Scheyerer | aus FALTER 39/16 vom 28.09.2016

Als habe Österreich noch nicht genügend Akteure, die sich irgendwo auf dem aufregenden Weg zwischen Politik und Satire verirrt zu haben scheinen, expandiert jetzt auch noch die Satire-Nachrichten-Website Tagespresse. Der erste Schritt wurde vergangene Woche vollzogen. Die Tagespresse gibt es nun als Live-Show im Wiener Rabenhof-Theater. Der Premierenabend war auf den Sesseln ein Fest prominenter Menschen, die sich selbst nicht immer so ernst nehmen. Darunter die Schauspielerinnen und Kabarettistinnen Sigrid Hauser, Edith Leyrer und Nadja Maleh, der Standard-Kolumnist Hans Rauscher, der ATV-Journalist Martin Thür, der Physiker und Science Buster Werner Gruber, die Lott e Tobisch, Thomas Rabitsch, der für die Musik des Abends verantwortlich ist, der Russkaja-Schlagzeuger Titus Vadon, die eine Maschek-Hälfte Ulrich Salamun und, no na, der Leiter des Rabenhofs, Thomas Gratzer. Dazu waren die beiden jeweils mit einigen Filmbeiträgen am Programm beteiligten Peter Klien und Richard Lugner (samt Sohn Alexander) anwesend. Das Programm hat vielleicht dramaturgisch seine Schwächen, aber die Gags sitzen. Zum Beispiel, dass der Zweite Weltkrieg wegen Schlampereien wiederholt werden muss und Folgeschmähs. Sie wissen schon, was sie tun, die wirklich witzigen Tagespresse-Macher und Gagschreiber für diverse Fernsehmenschen, Fritz Jergitsch, Jürgen Marschal und Sebastian Huber. Die restlichen Vorstellungen sind ausverkauft. Zurzeit arbeitet die Tagespresse mit dem ORF an einem fernsehgerechten Format.

Bei der Gelegenheit sei angemerkt, dass diese Tastatur in der Gegend Leertaste vor wenigen Minuten von heftigen Träneneinschlägen des Benutzers erschüttert wurde, weil kürzlich traurige Gewissheit wurde, worüber die Seher von Privatfernsehkanälen schon länger die Vermutung hegten. Das beste Ehepaar der Welt, von dem die Erde zu wissen glaubte, dass es alle hatten: Geld, Liebe, ein befruchtendes Zusammenleben, schöne Wangenknochen, ist in Scheidung begriffen. Cathy und Richard Lugner sind nicht mehr beinander. Sie kriegt einen Porsche und ein Haus. Er die fünfte Scheidung. Was ist das für 1 life?

Unter der Marke "Lisabird" fiel es womöglich schwer, den Kunstraum ganz ernst zu nehmen, aber jetzt eröffnete Lisa Kandlhofer eine neue Galerie unter ihrem vollständigen Namen. Die Vernissage war strategisch klug während der Kunstmesse viennacontemporary angesetzt und gemeinsam mit der Art Crowd pilgerten ebenso Menschen wie Erhard Busek oder Roman Rafreider in die Galerie. Für ihre 31 Jahre ist Kandlhofer schon enorm herumgekommen: Die Grazerin studierte Wirtschaft in New York, arbeitete für Magna in Toronto, bei irgendeinem Hedgefonds und in der pakistanischen UNO-Botschaft. Gut im Rechnen zu sein und reiche Leute zu kennen hilft beim Verkauf von Kunst freilich sehr. Aber auch die gezeigte internationale Kunst kann sich sehen lassen. Die Schau zeigt ein Dutzend junger Positionen; zwei davon, Grear Patt erson und James English Leary, stammen sogar aus dem New Yorker Stall des Galeristen Vito Schnabel, dem Lover von Heidi Klum. Das Vernissagenkonzert der Künstlerband Hartjungs war übrigens eher programmatisch, denn auch in Zukunft möchte Kandlhofer Kunstschauen mit Musik und Nightlife verbinden.


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