Neue Platten

Feuilleton | aus FALTER 40/16 vom 05.10.2016

Pop

Danny Brown: Atrocity Exhibition

Der Rapper aus Detroit wird gern als Beweis dafür herangezogen, dass heutiger Hip-Hop keineswegs eindimensional sein muss. Zuletzt war er auf der Comeback-Platte des Sampling-Kollektivs The Avalanches prominent vertreten. Mit Album Nummer vier legt der Mann mit der comicmäßig hohen Stimme und dem Hang zu schwindelerregenden Wortspielen nun sein Meisterstück vor. Die Einflüsse reichen von Psychedelik über Blues bis Rock, das Tempo ist atemberaubend, die Musik dreckig und doch herrlich eingängig. (Warp) SF

Jazz

John Scofield: Country for Old Men

Der Titel ist ironisch und zugleich ernst, denn der US-Gitarrist hat sich tatsächlich Country-Musik ausgesucht und eröffnet mit "Mr Fool" auch in quasi post-pensionistischem Hotte-hü-Tempo, melodieergeben und äußerst zurückhaltend. Ist aber nur ein Täuschungsmanöver, denn anschließend wird Hank Williams' Klassiker "I'm So Lonesome I Could Cry" buchstäblich hochgejazzt, sodass der alten Karre das Blech wegfliegt. Letztlich geht aufgekratzte Improvisationsfreudigkeit vor Country-Melancholie. (Impulse) KN

Lokal

Rittmannsberger/Soyka: Zwirn

Nach vielen wundervollen Live-Auftritten präsentieren Martina Rittmannsberger (Geige) und Walther Soyka (Knopfharmonika) ihr erstes gemeinsames Album. Eingerahmt von zwei sehnsüchtigen Stücken aus Oberösterreich, zeigt es die Essenz der Wiener Volksmusik des 19. Jahrhunderts. Besondere Sorgfalt widmet das Duo dem dabei sehr bedeutsamen Rubato, dem kunstvollen Verlängern und Verkürzen von Tönen. Selten hat man so etwas Schönes gehört. (Nonfoodfactory) SP

Live: Morawa in der Wollzeile, 5.10., 19.30 Uhr


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