Film Neu im Kino

Fake-Doku-Horror-Sequel: The Seventeen Year Witch

DR | Lexikon | aus FALTER 40/16 vom 05.10.2016

Blair Witch Project" war 1999 der Auftakt zu vielem: Online-Ausfransung von Kino, virale Werbung für Konzeptfilme, Found Footage-Horror, Popularisierung von Mockumentary und Wackelkamera. Und es war ein toller Schocker (sowieso das bessere Dogma-Kino) wie auch prägnante Bildwerdung eines medienhistorischen Moments: Es gab gerade so viel an Video für alle (und Netz für manche), dass alles mögliche gezeigt werden konnte, eben auch Bilderspuren dreier Slacker im Wald, aber doch so wenig, dass davon fast nichts wahrzunehmen war: nur Rauschen in Wald, Bild und Ton. Nix mit Hex.

Und nun das Streber-Sequel "Blair Witch" von Horrorhommagenjungmeister Adam Wingard: Hexenwald-Aufmarsch der Schönen in Teamstärke mit Drohne und Fußfäulniswurm; Wackeln, Glitch und Kreisch im Dunkeln als Klassizismus; Endlosfinale im Handabdruck-Haus. Wo perfide Krudheit und Mangelökonomie waren, ist nun Verfügbarkeit, Stilwille, richtige Regie und mäßiger Grusel. Die Lehre: Es fehlt die Leere. Am besten immer noch: Lichtflattern auf Blättern. Auch diesmal heißt es markenzeichenhaft "I'm so sorry!". Ja, eh ist's schad.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis)


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