Selbstversuch

Des Feminismus neue Kleider

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 40/16 vom 05.10.2016

Als ich kürzlich irgendwo in den sozialen Medien unter einem Foto des Hysteria-Trauermarsches für das Patriarchat leise anmerkte, dass mir das Fascho-Gewand, in dem bei der Weiber-Burschenschaft der Feminismus daherkomme, nicht so gut gefalle, wurde mir mansplaint, das sei gut so, und ich solle ruhig schon mal anfangen, mich vor den jungen Feministinnen zu fürchten. Danke, aber nein, danke. Ich fürchte nicht den Feminismus und schon gar nicht die Feministinnen, im Gegenteil: Ich bin sehr glücklich, dass Feministin kein Schimpfwort mehr ist, keinen Schwanz-ab-Gout mehr hat, dass die modernen, jungen Frauen sich mit Stolz Feministinnen nennen. Auch die Mimis, weil: eh klar, was sonst? Es kann nie genug Feministinnen geben, und ich sage, was ich schon immer sage: Jede Frau, die nicht Feministin ist, ist nicht ganz bei sich. Hysteria-Mitglied Stefanie Sargnagel klärte schließlich ein "leider immer wiederkehrendes missverständnis der systempresse" auf, die Hysteria für eine feministische Vereinigung halte, aber: "feminismus setzt sich für gleichberechtigung ein. das war nie unser ziel."

Geschnallt? Jawoll. Und ich bin, trotz des merkwürdigen Aufzugs (den ich ebenfalls verstehe, ja, und ich war in meinem Leben auch auf mehreren Laibach-Konzerten, nur falls mich irgendein junger Herr über kulturelle Aneignung belehren möchte) entschiedener Hysteria-Fan, vor allem wegen der schönen Wortmeldungen.

Denn auch wenn die Hysteria-Damen keine Feministinnen sein wollen, ist das, was sie da machen und präsentierten, moderner, aufklärerischer Feminismus, der sich des momentan beliebten Prinzips der radikalen Umkehrung bedient, und in diesem Fall eben auch die Hegemonialfantasien rechter Männer brutal seziert und zur Schau stellt. Was man u.a. auch einem empfehlenswerten Interview auf www. jetzt.de entnehmen kann: "Wie Sie als Deutscher sicherlich wissen, sind die österreichischen Männer auf der ganzen Welt für ihre Schönheit bekannt. Dies führt leider auch dazu, dass einige Touristinnen unser Land mit unehrenhaften Absichten besuchen. Unsere Männer reagieren besonders sensibel auf den Genuss alkoholischer Getränke und da ist es unsere Pflicht, sie vor falschen Entscheidungen zu beschützen."

Wonderful, vergelt's Gott. Auch der neue amerikanische Feminismus ersetzt zurzeit, wo immer möglich, gerne mal "Mann" durch "Frau" und umgekehrt: Ein, wie ich finde, sehr sinnvolles und wirksames Instrument, um auf bestehende Machtverhältnisse aufmerksam zu machen.

Überhaupt nicht feministisch ist dagegen dieser Spot des schwedischen Textilriesen mit den vielen unterschiedlichen Frauen, von dem sich viele so toll verstanden fühlen. Bloß verkauft der Konzern keineswegs Emanzipation oder ein vielfältiges neues Frauenbild, sondern Billigkleidung, die zu einem Gutteil auf der Basis von Frauenausbeutung in Entwicklungsländern hergestellt wird.

Insofern gefällt mir auch das Gewand nicht.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige