Schuld und Bühne

Hatte Alen R. im Grazer Prozess wirklich von Anfang an keine Chance?

Politik | PROZESSBEOBACHTUNG: GERLINDE PÖLSLER | aus FALTER 40/16 vom 05.10.2016

Für den prominenten Psychiater Reinhard Haller ist klar: Im Verfahren gegen den Amokfahrer Alen R. wurde "nicht darüber abgestimmt, ob der Beschuldigte schizophren oder zurechnungsfähig ist, sondern darüber, ob jemand, der eine so furchtbare Tat begeht, überhaupt exkulpiert werden kann". Der Prozess hätte nicht in Graz stattfinden dürfen. Ebenfalls ein Problem sei, "dass Laien über eine medizinische Diagnose entscheiden müssen".

Am Donnerstag entschieden die Geschworenen, dass Alen R. bei seiner Tat zurechnungsfähig war. Er wurde des mehrfachen Mordes und versuchten Mordes schuldig gesprochen und wurde zu lebenslanger Haft und - wegen seiner Gefährlichkeit -Einweisung in eine psychiatrische Anstalt verurteilt (nicht rechtskräftig). Nun ist eine Debatte darüber ausgebrochen, ob Laien dermaßen schwierige Entscheidungen überhaupt treffen können und es im Prozess nicht bloß um Rache ging. Einige Zeitungstitel schienen Haller Recht zu geben. "Das Urteil versöhnt eine Stadt mit


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