Musiktheater Kritik

Smartphone-Selfies und Sterbemelodram

HR | Lexikon | aus FALTER 40/16 vom 05.10.2016

Einen gestrafften Opernklassiker gab es schon einmal, als das Trio Breinschmid &Co im März die recht gute "Carmen"-Version von Tscho Theissing bot. Von dem "La Traviata"-Versuch der Regisseurin Lotte de Beer lässt sich das eher nicht behaupten, noch weniger von dem durch E-Gitarren und weiteren Schnickschnack aufgefetteten "Remix"-Sound. Die vor allem ihre Einzelszenen gut singende und glaubhaft agierende Frederikke Kampmann muss als bereits krankes Partygirl mit Handy und Smartphone herumfuchteln und natürlich beim Liebesduett mit Alfredo jede Menge Selfies schießen. Der aus dem Vater zum Bruder "modernisierte" Giorgio Germont schickt Violetta eine Entschuldigungs-SMS. Ausgerechnet das tränenrührende Sterbemelodram am Ende wird strichlos gespielt.

Kammeroper, Sa, Di 19.00


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige