Film Neu im Kino

"War Dogs": Dummdreiste Dudes drehen dickes Ding

Lexikon | DREHLI ROBNIK | aus FALTER 40/16 vom 05.10.2016

Zur Mitte dieser fact-based Farce über zwei betrügerische US-Waffenhändler in den Irakkriegsjahren zeigt eine Sequenz eine Rüstungsindustriemesse in Las Vegas. Plötzlich taucht Bradley Cooper als ominöse Nebenfigur auf. Der Star der "Hangover"-Filme an deren Hauptort, in einem Ulk von "Hangover"-Regisseur Todd Phillips: Dieser Moment sagt "He, ich mach einfach mein Ding!". Eben darum geht es in "War Dogs": das große Getting away with it.

Wie in "Hangover": Dudes auf Droge drehen es irgendwie. Spießig, zynisch, ramponiert, bei dubiosem Tun, das aufgetürmte Notlügen vor der Gattin verbergen: Rumalbern in Albanien, Fellatio in Falludja ("This is a Muslim country! I can't even get a blowjob here!"). Orientalismen von Ugly Americans sind so offenherzig, ohne Relativierungsrahmen, ausgestellt wie ihre Deals: etwa das Repackaging veralteter, mit Embargo belegter Munition, die als Neuware ans Pentagon geht. Wenn Selbstüberschätzer zu "Wish You Were Here" in Zeitlupe die AK-47 melken, ist das ein Zitat der heute meistzitierten Kinokomikikone: der Wolfpack-Zeitlupenpose wilder Dillos aus "Hangover".

Es kommt noch dicker: Jonah Hill spielt den Skrupelloseren (den Skrupulöseren gibt Miles Teller). Also heißt es Wolfpack of Wall Street, Vegas heißt Casino, die Dealer sind Good Fellas (in Fellatio-Not). Machos auf Koks improvisieren in kriminell ambitiöser Ökonomie zwischen Bröselprofit und zu großem Kuchen, in Standbild, Flashback und effektivem Timing von Sagern und Songs: Das ist Scorsese repackaged. Nur weniger schlau (trotz auf entlarvend machender Inserts wie "God bless Dick Cheney's America!"), auch nicht Hormonhabitusanalyse wie "The Big Short". Eher nettes Nullerjahre-Retro, Neoliberalismusnostalgie nach der Zeit vor dem endlosen Hangover.

Bereits im Kino (OF im Artis und Village)


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