Stadtrand Urbanismus

Wer den Flohmarkt liebt, hypt ihn nicht

Stadtleben | Lukas Matzinger | aus FALTER 40/16 vom 05.10.2016

Letzte Woche war Neubaugassenflohmarkt. Das ist zweimal im Jahr so quasi das Halligalli des Van-der-Bellen-Wien zwischen Mariahilfer und Lerchenfelder Straße. Da schiebt man einander Fuß an Fuß durch diesen bunten Kilometer Stadt und channelt den inneren Antiquitätenhändler auf der Suche nach nicen Retroschnäppchen. Man wird Zumba-Performances und DJs sehen, handgemachte Männerhandtaschen und frische Mango-Lassi; nur mit Flohmarkt in dem Sinn hat das alles irgendwie kaum mehr zu tun.

Das meiste ist Stil und fancy und Design und künstlich. Viele Stände bloß erweiterte Auslagen der hippen Designerläden, die als Angreifer verstehen, wer ihre Preise drücken möchte. Gut, das wundert wenig, wenn jede Standfläche à sieben Quadratmeter 265 Euro an die "IG der Kaufleute am Neubau" plus Steuern plus Zuschläge macht.

Alt sind fast nur die haufenweisen Schallplatten, dieses knackserte Zeug ist ja sowas von cool, wie das schon lässig ausschaut, wenn man mit einer Coltrane-Platte unterm Arm vom Flohmarkt heimkommt. Muss ja keiner wissen, dass man sie dann eh wieder nicht hören wird.


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