Musiktheater Kritik

Turbulente Szenen einer Theaterehe

Lexikon | LK | aus FALTER 40/16 vom 05.10.2016

Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau - diesem Spruch wird auch die Beziehung zwischen Eleonore und Emanuel Schikaneder gerecht. Zumindest wenn es nach den Machern von "Schikaneder", geht, dem neuen Musical der Vereinigten Bühnen. Ausgedacht von Christian Struppeck und emotionsgeladen in Szene gesetzt von Trevor Nunn, gelingt es dem spielfreudigen Ensemble, das Publikum zu verzaubern. Die schwungvolle Musik stammt aus der Feder des dreifachen Oscar-Preisträgers Stephen Schwartz, das fantastische und trickreiche Bühnenbild -eine Bühne auf der Drehbühne, die von allen Seiten bespielt werden kann - kreierte Anthony Ward, der auch eine kurze digitale Einspielung wagt.

Am Beginn des als Musical getarnten Singspiels steht die drohende Schließung des Theaters an der Wieden im Jahr 1789, als Frauen die Leitung eines Theaters untersagt war. Eleonore Schikaneder steht nach dem Tod ihres Partners Johann Friedel allein da, mit dem Noch-Ehemann Emanuel möchte sie nichts mehr zu tun haben. Ein Rückblick erklärt die verfahrene Situation: Die erste Begegnung der jungen Eleonore (Milica Jovanovic) mit dem charmanten Schauspieler Joseph Johann Schikaneder (Mark Seibert) im Wandertheater, die prächtige Hochzeit, die Erfolge als Theatertraumpaar und die nicht immer einfachen Szenen einer Ehe.

Joseph Johann nennt sich bald Emanuel, ist ein Hallodri von Ehemann, der im Walzerschritt von einem Techtelmechtel zum nächsten tanzt, während die treue Ehefrau das Geschäft zusammenhält. Nach einer schmerzlichen Trennung und einem Wiedersehen nach Jahren finden die Liebenden wieder zueinander, gemeinsam gelingt der große Wurf mit der ersten deutschen Oper, der "Zauberflöte." Der Rest ist Theatergeschichte.

Raimund Theater, Fr, Sa, Do 19.30, So 16.30, Di, Mi 18.30 (bis 30.6.2017)


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