Ohren auf Klassik

Zum 50. Todestag des Tenors Fritz Wunderlich

MIRIAM DAMEV | Feuilleton | aus FALTER 40/16 vom 05.10.2016

Dieser Tage wäre der deutsche Opernsänger Fritz Wunderlich 86 Jahre alt geworden. Gestorben ist er 1966 auf tragische Art und Weise: Er stürzte die Treppe im Haus eines Freundes hinunter, prallte mit dem Kopf auf den Steinfliesenboden und war wenige Stunden später tot -nur eine Woche vor seinem 36. Geburtstag. Doch der Tenor fasziniert auch 50 Jahre nach seinem Tod ungebrochen. Es ist verblüffend, wie zeitlos sein Gesang wirkt. Die Mischung aus intuitivem Stilgefühl und dramatischem Ausdruck, aus feinsinnigem Musiker und lebenslustigem Künstler macht das Faszinosum Wunderlich aus.

Eine erfrischende Sammlung der schönsten Operettenarien findet sich auf "Fritz Wunderlich - Münchner Rundfunkorchester" (BR Klassik) mit unveröffentlichten Bühnenmitschnitten von Lehár über Strauß bis hin zu Leo Fall und Robert Stolz. Die geballte Ladung Wunderlich gibt es in der 32-CDs-Box "Fritz Wunderlich -Complete Studio Recordings on Deutsche Grammophon". Ob große Oper oder leichte Operette, ob charmanter Schlager oder erlesenes Kunstlied (unerreicht: Schuberts "Schöne Müllerin" mit Hubert Giesen), ob Kantate oder Oratorium: Wunderlich sang alles mit derselben Hingabe und Intensität.

Einen intimen Tribut zollt Eva Wunderlich ihrem verstorbenen Mann, die unter dem Titel "Fritz Wunderlich - The 50 Greatest Tracks" (Deutsche Grammophon) ihre persönlichen Highlights zusammengefasst hat. Darunter finden sich berühmte Opernarien (ein Traum-Tamino in der "Zauberflöte") ebenso wie Raritäten (Strauss' "Capriccio" mit Lucia Popp und Lisa della Casa) oder Schumanns "Dichterliebe". Besonders kostbar ist die Steuermann-Arie aus dem "Fliegenden Holländer": Der Mitschnitt aus München ist die einzige Aufnahme in einer Wagner-Partie, und sie lässt erahnen, was für ein fantastischer Wagner-Tenor hier schlummerte. Wunderbar, dieser Wunderlich!


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