Buch der Stunde

Die "Buche" galt als Fluch, ist indes ein super Buch

Feuilleton | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 40/16 vom 05.10.2016

Smells like Klassenlektüre!", werden ältere Semester ausrufen. Bloß dass der Literaturkundeunterricht mittlerweile stillschweigend abgeschafft wurde, weil man die Kinder ja dort abholen soll, wo sie stehen, und darob gerne vergisst, wo man mit ihnen hinwollte. Hauptsache, es wird niemand mit Dingen konfrontiert, die an der alters-und genderadäquat aufbereiteten Lebensrealität der juvenilen Leserschaft vorbeigehen. Warnend muss also darauf hingewiesen werden, dass die 1842 erstmals veröffentlichte und einer wahren Begebenheit nachempfundene Novelle der (auch das noch!) aus altem katholischem Adel stammenden Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) in einem Milieu angesiedelt ist, in dem die vorsätzliche Außerkraftsetzung rechtsstaatlicher Normen ebenso an der Tagesordnung ist wie allerlei unschönes Ressentiment. Der Vater sauft, der Sohn rauft, und die bald alleinerziehende Mutter, die den Buben an ihren Bruder abtritt, verfällt frömmelnder Depression.

Wie in Marie von Ebner-Eschenbachs


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