Designmärkte sind das neue Feiern

Simone Aichholzer und Sabine Hofstätter feiern ein kleines Markt-Jubiläum: zehnmal Edelstoff

Lexikon | INTERVIEW: NATHALIE GROSSSCHÄDL | aus FALTER 40/16 vom 05.10.2016


Foto: Philipp Lipiarski

Foto: Philipp Lipiarski

Der Boom an Pop-ups und kuratierten Floh- oder Designmärkten ist ungebrochen. Offenbar wächst der Bedarf an liebevoll handgemachten oder skurrilen Dingen, die nicht überall zu bekommen sind, beständig an. Der Markt Edelstoff zählt bis zu 6000 Besucher; am Wochenende geht er in seiner zehnten Auflage in der Marx Halle über die Bühne. Ein Gespräch mit den beiden Veranstalterinnen.

Falter: Frau Aichholzer und Frau Hofstätter, seit wann veranstalten Sie den Designmarkt Edelstoff?

Simone Aichholzer: Begonnen hat es 2012. Seitdem findet Edelstoff im Frühjahr und im Herbst statt. Hin und wieder machen wir auch einen Weihnachtsmarkt. Das wird auch heuer wieder der Fall sein.

Wie hat alles begonnen?

Sabine Hofstätter: Ich kam gerade aus London zurück und war so begeistert vom Old Spitalfields Market an der Brick Lane. So etwas fehlte mir in Wien. Simone konnte ich von der Idee überzeugen, auch hierzulande einen kuratierten Markt zu organisieren. Anfangs veranstalteten wir unseren Markt in der Ankerbrothalle in Wien-Favoriten.

Wieso sind Sie in die Marx Halle umgezogen?

Hofstätter: Weil sie der Markthalle in London mit ihren Säulen und der extremen Raumhöhe sehr ähnelt. In der Marx Halle gibt es Luft, hier gibt es Platz, die Atmosphäre ist gut, hier ist nichts verwinkelt. Wir haben Platz für Food-Trucks, Musik, und wer mit Kinderwagen unterwegs ist, kann hier bequem zwischen den Ständen herumkurven.

Am Wochenende auf einem Markt wie Edelstoff shoppen zu gehen gehört mittlerweile zum Lifestyle. Was bieten Sie Besonderes?

Hofstätter: Eine außergewöhnliche Location, Street-Food, Weinverkostungen und Bier, 140 Aussteller aus dem In- und Ausland, die Hälfte davon ist zum ersten Mal dabei. Und wie üblich werden die DJs Mrs. Lovett und Wild Evel die Bude rocken.

Aichholzer: Wir sind ein Wohlfühlmarkt. Da geht es nicht allein ums Shoppen, die Leute treffen sich hier, bleiben oft den ganzen Nachmittag. Wenn ich durch die Gänge gehe, höre ich von unseren Besuchern oft: „Mah, hier ist es so fein“. 

Wie viele Menschen kommen
an so einem Wochenende?

Aichholzer: Wir rechnen mit 6000 Besuchern. Aber keine Angst, die Schlange beim Eingang wird nicht lange sein. Beim Kassieren der vier Euro für den Eintritt sind wir zackig unterwegs. Das Warten dauert sicher nicht länger als bei einer Supermarktkasse. Aber bitte Bargeld mitnehmen. Nicht jeder Stand hat eine Bankomatkasse, und der nächste Geldautomat ist leider eine Viertelstunde entfernt.

Was alles wird es nun zu
kaufen geben?

Hofstätter: Neben etablierten Marken sind junge Labels mit am Start. Die finden hier eine Plattform, sich zum ersten Mal auszuprobieren. Koa verkauft etwa minimalistischen Schmuck mit versteckten Botschaften.

Aichholzer: Bei dem Label gefallen mir am besten die Armreifen mit Sprüchen auf der Innenseite. „Ich bin eine Mutter, mir ist nichts mehr peinlich“ etwa oder „Mein Chef ist eine Pflaume“.

Hofstätter: Spannend finde ich auch die Yoga-Outfits von Arya Sense aus Bulgarien. Die weiten Hosen und Oberteile sind bürotauglich und tragen trotz der bequemen Schnitte nicht auf. Das nenne ich Kunst. Österreichische Designer wie das coole Label Ferrari Zöchling oder Berndt Plank mit seiner Art Haremshosen für Herren sind dabei. Es gibt bunte Unterwäsche von der Berliner Manufaktur berlin-underwear, reduzierte, handgefertige Bralettes und Unterhosen von Florianne Louise oder Boxershorts für sie und ihn von True Boxers.

Aichholzer: Und natürlich Verdandy, ein Herrenlabel, das aus zertifizierten Biostoffen Jeans fertigt. Die Hosen haben den Schnitt einer Jogginghose, aber trotzdem hat man darin noch einen knackigen Po.

Gibt es bei Edelstoff nur Mode?

Hofstätter: Nein. Rund 40 Prozent der Aussteller verkaufen Mode. Vom Theater an der Gumpendorfer Straße kommen Turnbeutel, die aus Theaterkostümen genäht wurden. Blaue Schaukelelefanten aus Holz gibt es für Kinder von Tede Family. Für Feinschmecker haben wir Gin mit dem Namen Aeijst, ausgesprochen wie „Äste“ auf Steirisch, oder Öle der Marke aÖ Iss Dialekt, die in der 460 Jahre alten Gilli-Mühle vor den Mauern der Stadt Eggenburg kalt gepresst werden.

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Aichholzer: Der Markt soll nicht mehr größer werden, denn mehr als 140 Labels kannst du dir an einem Nachmittag nicht ansehen.


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