Kommentar Arbeit für Asylwerber

Der Asylwerber als Diener, für den ein Trinkgeld genug ist

Falter & Meinung | NINA HORACZEK | aus FALTER 40/16 vom 05.10.2016

Der Opa, der nicht mehr auf die Leiter steigen kann, bekommt seine Hecke geschnitten. Die frischgebackene Mutter hat jemanden, der ihr mit dem Baby hilft. Die Studenten müssen ihre Umzugskartons nicht allein schleppen. Und die Asylwerber haben etwas zu tun, lernen Österreicher kennen und verdienen sich ein kleines Zubrot zu ihren 40 Euro Taschengeld. So funktionierte die "Nachbarschaftshilfe" zwischen Asylwerbern und Einheimischen in Vorarlberg.

Im Sommer wurde dieses Projekt nach 20 Jahren gestoppt, weil dem Sozialministerium auffi el, dass die rechtliche Grundlage dafür fehlt. Jetzt soll die Nachbarschaftshilfe von Asylwerbern auf ganz Österreich ausgedehnt werden. Allerdings zu einem Lohn, der jedem anständigen Österreicher die Schamesröte ins Gesicht treibt.

Nur 2,50 Euro möchte Innenminister Wolfgang Sobotka Asylwerbern zahlen, die bei Österreichern den Rasen mähen, aufs Kind aufpassen oder putzen.

Das ist zu wenig, um als Dumpinglohn durchzugehen. Das ist höchstens ein Trinkgeld. Und so etwas fällt ausgerechnet der Partei ein, die stets sagt, was nichts kostet, sei nichts wert.

Der Innenminister argumentiert, fünf Euro pro Stunde würde die Armenheere der Welt nach Österreich einmarschieren lassen. In Ländern wie Afghanistan sei das viel Geld.

Es wird kaum jemand zehntausende Euro für eine Flucht zahlen, um bei uns im Asylverfahren um fünf Euro den Hilfsarbeiter zu spielen.

Doch selbst wenn dies so wäre, gäbe es einen besseren Weg, das zu verhindern: die Verfahren beschleunigen, damit die Menschen nicht jahrelang warten müssen, bis sie erfahren, ob sie Asyl bekommen.


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