Am sicheren Ufer

Wann ist eine Flucht zu Ende? Wo ist es sicher? Für Schwule, Transpersonen und Lesben ist das meist anders als für heterosexuelle Flüchtlinge. Die Geschichte von Yara D.


Bericht: Sibylle Hamann

Stadtleben | aus FALTER 41/16 vom 12.10.2016

Das ist eine Geschichte über eine geflüchtete Syrerin, in der kein Kopftuch vorkommt. Yara ist 28 Jahre alt, sie trägt Jeans und ein Baumwollhemd mit Holzfällerkaros. Die Locken trägt sie kurz. Yara hat Architektur studiert. Sie liebt Frauen. Sie wohnt in einer Wohngemeinschaft mit vier Afrikanerinnen. Wie sie so dasitzt, ungekämmt, ungeschminkt, und routiniert eine Zigarette wuzelt, schaut sie aus, als hätte sie schon viele Jahre in Wiener Studentencafés verbracht.

Aber Yaras Weg ins Studentencafé war weit. Sie kommt aus der kaputtgebombten syrischen Stadt Homs. Und kaum beginnt sie sich an dieses neue, freie Leben zu gewöhnen, kann es morgen schon wieder vorbei sein, denn Yara hat einen ablehnenden Bescheid in der Tasche. Österreich fühlt sich für ihr Verfahren nicht zuständig, sie ist ein Dublin-Fall. Sie soll nach Kroatien ausreisen, über das sie im Februar eingereist ist. Andernfalls droht die Abschiebung.

Yara ist kein Einzelfall. Hunderte Dublin-Bescheide werden in diesen

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