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Politik | GP | aus FALTER 41/16 vom 12.10.2016

Was Hitler in Wien lernte

Es gilt als Standardwerk: "Hitlers Wien" der am 4. Oktober verstorbenen Historikerin Brigitte Hamann. In akribischer Recherche zeigt sie, dass das Wien in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg so gar nicht die künstlerisch-intellektuelle "Fin de Siècle"-Weltstadt eines Freud oder Schnitzler war. Vielmehr war es "das Wien der Zukurzgekommenen", die bestrebt waren, "im 'Rassenbabylon' des Vielvölkerstaates" zum "deutschen Edelvolk" zu gehören. Der junge Gelegenheitsarbeiter Hitler, der die von ihm gemalten Postkarten teils durch Juden verkaufen ließ, studierte hier den Antisemitismus und Populismus Karl Luegers und lernte Germanenkult und Zuchtgedanken kennen. 30 Jahre später machte er all die kruden Ideen "zur gefährlichen Munition, die Unheil über die Welt brachte".

Brigitte Hamann: Hitlers Wien. Lehrjahre eines Diktators. Piper, 1996,656 S., € 16,50


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