Servus, Su! Zum Tod des großen Bilderfinders Wolf Suschitzky

Feuilleton | Nachruf: Michael Omasta | aus FALTER 41/16 vom 12.10.2016

Wolf Suschitzky, von Freunden meist "Su" genannt, war der seltene Fall einer Doppelbegabung. Er hat als Kameramann gut 200 Filme gedreht und daneben ein fotografisches Œuvre geschaffen, das Bewunderung unter Kollegen in aller Welt gefunden hat - von Magnum-Veteran Erich Lessing in Wien bis zu Warhol-Intimus Gerard Malanga in New York.

1912 als Sohn einer Buchhändlerfamilie geboren, verließ Suschitzky unter dem Eindruck des Austrofaschismus 1934 Österreich und ging nach London. Rasch fasste er Fuß in der jungen britischen Dokumentarfilmbewegung und als Fotograf für auflagenstarke Illustrierte. Während in Wien der elterliche Verlag "arisiert" wurde, fotografierte er in London die Straße der Buchhandlungen: Seine "Charing Cross Road Series" gilt längst als Meilenstein der Reportagefotografie.

Wie alle wahren Künstler hat Wolf Suschitzky sich nie als solcher gesehen; selbst die heute gängige Bezeichnung "Director of Photography" lehnte er als eitlen Hollywoodianismus für sich ab.


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