Ausstellung Tipp

Mehr als sexy: Highlights erotischer Kunst im Mak

Lexikon | NS | aus FALTER 41/16 vom 12.10.2016

Als "Frühlingsbilder" wurden in Japan jene erotischen Darstellungen genannt, die ab dem 17. bis ins 20. Jahrhundert entstanden sind. Das Mak widmet diesen expliziten Farbholzschnitten, die in ihrem Entstehungsland offiziell verboten waren und erst letztes Jahr von einem Tokioter Museum gewürdigt wurden, nun die Ausstellung "Shunga. Erotische Kunst aus Japan". Das Mak besitzt zwar eine der größten europäischen Kollektionen an Druckgrafiken aus dem alten Edo, die in die Kabuki-Theater und die Gemächer des Geishas führen, aber nur eine einzige Bildrolle der rund 4200 Blättern im Mak-Bestand zeigt sexuelle Szenen. Die jetzige Schau wurde durch die Sammlung möglich, die Rudolf Leopold seinem Sohn Diethard, dem Kurator der Ausstellung, hinterlassen hat. Shunga interessierten Leopold schon allein aus dem Grund, dass sich Schiele -wie auch Toulouse-Lautrec, Rodin oder Picasso -von diesem japanischen Genre zu seinen Aktbildern inspirieren ließ.

An den Darstellungen kopulierender Paare, die als Mappenwerk, Bücher und Schriftrollen in Japan weit verbreitet waren, fesselt deren hohe künstlerische Qualität. Künstler wie Utamaro legten enorme Sorgfalt in die Darstellung von Kleiderfalten und der ineinander verschränkten Körper. Der berühmte Hokusai verknüpfte sexuelle Imaginationen mit Dämonen und Geistern. Sein Bild "Der Traum der Fischersfrau" stellt eine Perlentaucherin dar, die von den Tentakeln zweier Tintenfische befriedigt wird. In den Shunga wurde der Schönheit von Geishas ebenso gehuldigt wie der Potenz ihrer Freier, die gern mit überdimensionierten Phalli gezeichnet wurden. Aus der zeitgenössischen japanischen Kunst zeigt die Schau Aktfotos von Nobuyushi Araki, der sich auf die historischen Vorläufer bezieht.

Mak, bis 29.1.


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