Er hätte auch ein Linker werden können

Paul Lendvai beschreibt Viktor Orbáns Aufstieg zur Macht - mit präzisem Blick und ohne übertriebene Empörung

Rezension: Norbert Mappes-Niediek | Politik | aus FALTER 41/16 vom 12.10.2016

Man kann, um das Phänomen Ungarn zu erklären, die Probleme des Weges von Einparteienherrschaft und Sozialismus zu Demokratie und Marktwirtschaft beleuchten, die Geschichte dieses kleinen Nationalstaats in den Blick nehmen oder grundsätzlich das Ost-West-Verhältnis in der EU untersuchen. Man kann sich aber auch einfach den Mann näher anschauen, der Ungarns Sonderweg begründet hat: Viktor Orbán. Das ist, wie sich am Ende herausstellt, das lohnendste Verfahren -auch wenn dem Buch ein gründlicheres Lektorat gutgetan hätte.

Nach einigen weit ausholenden Grundsatzbemerkungen zur Rolle der Persönlichkeit in der Politik besinnt sich der einstige diplomatische Chefkommentator des ORF rasch auf seine Rolle als Journalist. Wenn Lendvai über Viktor Orbáns Jugend schreibt, der dem Alter nach sein Sohn sein könnte, lässt er sich das Zimmer im Budapester Studentenheim zeigen, das Ungarns Mächtige von heute einst miteinander teilten. Auch in seinem 18. Buch schaut der 87-jährige Paul Lendvai

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