Film Neu im Kino

Surrealer Selbstfindungstrip: "Swiss Army Man"

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 41/16 vom 12.10.2016

Auf einer einsamen Insel gestrandet will Hank sich gerade erhängen, als ein Körper angespült wird. Wiederbelebungsversuche fördern nur Gase zutage, diese jedoch in ungewöhnlichem Ausmaß: Mit der Leiche surft Hank per Blubberantrieb aufs Meer hinaus und kommt am Festland wieder zu sich. Hier erwacht auch der Tote und stellt sich als Manny vor. Durch den Wald kämpfen sie sich zurück in Richtung Zivilisation.

"Swiss Army Man", Langfilmdebüt des Regie-und Drehbuchautorenduos Dan Kwan und Daniel Scheinert, wird jene befremden, die weder die Überbetonung tabuisierter Körperfunktionen noch mehrdeutige, schräge Filme mögen -allen anderen sei er empfohlen. Manny entpuppt sich für Hank mit seinen vielfältig einsetzbaren Leibwinden, als Trinkwasserspender oder Waffe nicht nur als menschliches Schweizer Taschenmesser, sondern ist auch ein unbedarftes, erinnerungsloses Wesen. Um seine Kräfte zu stärken, erklärt Hank ihm die Welt von "Müll" bis "Masturbation", schlüpft in die Rolle von Sarah, deren Manny sich mit Liebe entsinnt, und spielt mit ihm in selbst gebastelten Kulissen Szenen eines erträumten Lebens durch.

Was skurril, lustig und ein wenig eklig beginnt, steigert sich zu einem emotionalen, wilden und schließlich abgründigen Trip. Dem Publikum bleibt es selbst überlassen, die Symbolik des Films zu deuten. Wie ein verrückter Bruder von Ang Lees "Life of Pi" anmutend, stehen nicht nur Mannys Fähigkeiten als mögliche Halluzination infrage, sondern die gesamte Geschichte, die mehr Auseinandersetzung mit Außenseitertum, Lebensmüdigkeit und der Akzeptanz des eigenen Selbst darstellt als eine Robinsonade. Von Paul Dano und Daniel Radcliffe großartig gespielt, ist die surreale Komödie im Kern so tief traurig wie berührend.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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