Zeit am Schirm

TV-Kolumne


Birgit Wittstock
Medien | aus FALTER 41/16 vom 12.10.2016

Der eigentliche Grund, warum man sich Casting-Shows reinzieht, ist folgender: Gehässigkeit. Denn von der Couch aus lässt sich das Klirren, mit dem fremde Träume zerbrechen, besonders behaglich verfolgen. Kaum etwas unterhält besser als das Scheitern anderer. Vor allem, wenn die TV-Protagonisten ausreichend Neid-oder Identifikationspotenzial mitbringen.

Der deutsche Sozialporno-Kanal RTL II setzt bei seiner neuen Sendung Curvy Supermodel sicherheitshalber auf beides und zerlegt vor den Augen aller dicke junge Frauen, um Heidi Klums Mädchen von GNTM Konkurrenz zu machen. Dass es hier ausschließlich um allerbilligsten Voyeurismus geht, zeigt die Tatsache, dass die Plus-Size-Model-Anwärterinnen gleich zu Beginn in schlechtsitzenden Bikinis in Shoppingmall-Atmosphäre catwalken mussten. Weiteres Indiz: fehlendes Styling. Auch das pseudo-höfliche Gesieze vom King of Trash, Juror Harald Glööckler, kann darüber nicht hinwegtäuschen. Trotzdem hoffen die Teilnehmerinnen aufs Weiterkommen: "Mir sind Steine von der Seele geraspelt", formulierte eine Glückliche.


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