Kinder, die Frau mit der Axt ist da!

Elfriede Jelinek, die dieser Tage 70 wird, hat sich ihren Ruf als Trümmerfrau der heimischen Literatur hart erarbeitet. Die Romane der ehemaligen Klosterschülerin stehen tief in der Tradition des Barock

Feuilleton | aus FALTER 41/16 vom 12.10.2016


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Mit niemandem ist Elfriede Jelinek so sehr Schlitten gefahren wie mit den Skifahrern. Bereits in „Lust“ (1989) blüht der Protagonistin mit dem Allerweltsnamen Gerti auf den Pisten nichts Gutes. Zu Hause vom Direktorsgatten zum „Einhalten des Ehevertrags“ angehalten, fängt sie sich ein Gspusi mit dem Studenten Michael an, was so schlecht ausgeht, wie das halt oft und bei Jelinek immer der Fall ist – man erinnere sich an „Die Klavierspielerin“ Eva Kohut und an deren „hübschen blonden Burschen (…) Herrn Walter Klemmer“.

Das erotische Interesse des jungen Mannes an Gerti lässt sehr bald sehr stark nach, diese wird am Pistenrand von dessen Freunden lustlos missbraucht: „Ihre Möse wird nur auseinandergefaltet, diese Broschüre kennen wir schon, lachend wieder zusammengeklappt. (…) Weiter drüben, von wo wir die Gerti abgeschleppt haben, jauchzen die Schifahrer immer noch in ihren kleinen Seen aus Bier und Jägertee. Sie strahlen und brüllen. Von der Last ihres Vergnügens ist der Waldboden auch schon ganz angesoffen.“

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