Erscheinungen Personen, Trends, Kampagnen

Thurnher, Tempelberg, Küniglberg


Die Direktorenbestellungen nach der ORF-Wahl führen zu einer prominenten Personalrochade am Küniglberg. ORF-Moderatorin Ingrid Thurnher steigt zur Chefredakteurin des Kultur- und Informationssenders ORF III auf. Sie folgt damit auf Christoph Takacs, der 2017 als Landesdirektor nach Salzburg wechseln wird. Thurnher gibt damit ihren sonntäglichen Politik-Talk "Im Zentrum" ab.

Die Presse kolportierte, dass die Tempelberg-Affäre mit Thurnhers Wechsel zu tun habe. Im Duell vor der Präsidentschaftswahl hatte sie den FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer mit einer eingespielten Sequenz konfrontiert. In dieser dementierte ein israelischer Polizeisprecher Hofers Behauptung, dass während seines Besuches am Jerusalemer Tempelberg eine mit Handgranaten und Maschinenpistole bewaffnete Terroristin erschossen wurde. Nach dem Duell stellte sich heraus, dass die Polizei aber einer unbewaffneten Jüdin ins Bein geschossen hatte, weil sie trotz Stopprufen nicht angehalten hatte. Die FPÖ sah sich mit ihrer Version im Recht und kritisierte den Einspieler des Polizeisprechers als "unfassbaren ORF-Skandal". Im Netz machte der rechte Mob daraufhin gegen Thurnher mobil (siehe Falter 24/16).

Thurnher gibt keine Interviews zum Wechsel, enge Vertraute versichern hingegen glaubwürdig, dass die Tempelberg-Affäre nichts mit ihrem Jobwechsel zu tun habe. Der Grund ist demnach banal: Thurnher habe am Schirm alles erreicht und nach einer neuen Herausforderung gesucht.

Der Chefredakteursposten ist zweifellos ein Aufstieg. Das stärkste Argument dafür, dass sich Thurnher von der FPÖ nicht einschüchtern ließ: Sie moderiert auch das ORF-Präsidentschaftsduell am 1. Dezember.

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FALTER 12/19
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