Augenblick Wiener Momente

Stadtleben | BW | aus FALTER 41/16 vom 12.10.2016

Spät abends läutet es im Gemeindebau an der Tür. Man öffnet. Es ist ein Mitarbeiter des Samariterbunds. Unterschriftenaktion?, erkundigt man sich und fügt sicherheitshalber hinzu, nein, man wolle nichts spenden. Um Spenden gehe es hier nicht, sagt der Mitarbeiter. Ob man einen Erste-Hilfe-Kurs besucht habe und die Nummer der Rettung auswendig könne, will er wissen. Alles andere wäre nämlich der blanke Wahnsinn. 144, antwortet man. Der Sani ist über den Mangel an Interventionskompe tenz trotzdem entsetzt und hebt zu einer Moralpredigt an. Minuten später läutet er beim Nachbarn ein Stockwerk unterhalb. Der hat Kinder, ebenfalls keinen Erste-Hilfe-Kurs besucht und weiß nicht mal die Notrufnummer auswendig. Die würde er dann googeln, sagt er. "Dafür haben Sie keine Zeit mehr, im echten Notfall", schimpft der Sani. Noch weiter unten, im Erdgeschoß, haben sie nicht mal Internet.


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