Menschen

Wiener Design-Voodoo-Woche

Falters Zoo | Lukas Matzinger, Josef Redl | aus FALTER 41/16 vom 12.10.2016

Darauf hat Wien gewartet. Am vergangenen Freitag wurde die nächste Austropop-Karriere zum Abflug eingecheckt. Der Liedermacher Voodoo Jürgens hat im ausverkauften Flex endlich sein Debütalbum vorgespielt. Dort, wo er noch im Juli 2015 bei freiem Eintritt und während einer Zipfer-Bier-Happy-Hour gespielt hatte, geierten sich diesmal schon ein Zeiterl vor Konzertbeginn Menschen um nicht gebrauchte Karten.

Drinnen spielte der Jürgens dann samt Band Ansa Panier eine gute Stunde lang seine Lieder. Es sind Gschichtln, die der Mann mit den Secondhand-Klamotten da erzählt. Mit Schlawinern, Holzbeinen, Bauchstichen zelebriert er den Grind dieser Stadt. Seiner Tranglerstimme traut man es zu, das Wienerische wenigstens als erste lebende Fremdsprache wieder salonfähig zu machen. Und wir dürfen jetzt wieder einen Austropop haben, ganz ohne Schämen.

Seine Duettpartnerin Eva Billisich ("Gitti") war am Freitag krank. Dafür gehörten der Mundartrapper A.geh Wirklich? und das Gesamtkunstwerk Stefanie Sargnagel dem Publikum an. Zur Aftershowparty mussten dann alle vor ins Flex-Café ziehen, weil der Schwede Christian Smith in der Halle Techno auflegen wollte. Wenn diese Zeitung erscheint, wird Voodoo Jürgens an Bord eines großen Schiffes sein. Er ist Teil einer Konzertkreuzfahrt mit Wanda, dem Nino aus Wien und Fuzzman. Sie hält in Barcelona und Marseille und endet in Bologna.

"Es war eine epochale Party", befand Lilli Hollein am Tag danach. Der Begriff "epochal" war in diesem Zusammenhang gut gewählt. Am Tag davor, am Freitag, feierte Lilli Hollein das zehnjährige Bestehen des Design-Festivals Vienna Design Week, dessen Direktorin sie ist. Dem Anlass entsprechend wurde die Rückschau auf die zehnjährige Epoche in einem eigenen Buch ("Stadtarbeit") gleich mitgeliefert. Gefeiert wurde in der Bar des Hotel Intercontinental, die man allein schon wegen des Lusters gerne besucht. Dass am Freitag rund 450 Gäste den Luster umschwirrten, hat aber auch andere Gründe. Die Gastgeber vom Intercontinental feiern nämlich gerne und ausgiebig epochale Anlässe. Hoteldirektorin Brigitt e Tratt ner, Eigentümer Michael Tojner und Daniela Enzi, verantwortlich für die Neugestaltung des Areals Intercont-Eislaufverein-Konzerthaus, machen das nicht zum ersten Mal. Nach 50 Jahren Intercontinental (2014) feierte man 2015 die fast ebenso lange bestehende Kooperation des Hotels mit der Viennale. Und jetzt also die Vienna Design Week. Klaus Waldeck und Sängerin Heidi "La Heidi" Moussa-Benammar gaben den Spaghettiwesternsound des neuen Albums "Gran Paradiso" zum Besten.

Wien-Tourismus-Direktor Norbert Kett ner kam quasi direkt vom Flughafen (der Mann reist sehr viel), um zu gratulieren. Viennale-Direktor Hans Hurch und Künstlerin Deborah Sengl waren genauso gekommen wie ein ganzer Haufen Architekten, für die stellvertretend Stephan Ferenczy (BEHF), Bett ina Götz und Richard Manahl (Artec) und Arkan Zeytinoglu genannt werden könnten - und quasi die ganze Immobilienbranche, oder zumindest Eugen Ott o, Martin Lenikus und Thomas Jakoubek. Dass es super war, fanden eigentlich alle. Uneinigkeit herrschte am nächsten Tag nur darüber, was mehr schmerzte: die Füße vom Tanzen oder der Kopf vom großzügig ausgeschenkten Moscow Mule.


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