Welches Broterl hätten S'gern?

Das Lokalkollektiv Ludwig &Adele expandierte auf die Yppe


Lokalkritik: Florian Holzer
Stadtleben | aus FALTER 41/16 vom 12.10.2016


Foto: Katharina Gossow

Foto: Katharina Gossow

Na, da tat sich heuer wirklich ordentlich viel am Yppenplatz: Das Wirr eröffnete eine neu errichtete Filiale mit Streetfood und Dachterrasse, mit dem Kafeneon machte der beste Grieche seit langem auf, und die Aufregung ums wunderbare Wetter, das angeblich verkauft werden sollte, stellte sich zum Glück als völlig aus der Luft gegriffen heraus.

Und dann natürlich das Yppenplatz 4, das vergangenes Jahr eröffnete Craft-Beer-Edelwürstelstand-Lokal der Ottakringer Brauerei im ehemaligen Marktamtsgebäude: Das Lokal hat sich von Anfang an nicht nur einigermaßen absurde Gentrifizierungs- und Boboisierungsvorwürfe gefallen lassen müssen (Bobo am Yppenplatz? Das wäre ja ganz was Schlimmes, ganz was Neues und sicherlich nur die Schuld dieses einen Lokales!), sondern hatte auch mit Problemen zu kämpfen, weil das mit den selbstgemachten Würsten erstens nicht so recht klappte und vor allem nicht so recht besonders außergewöhnlich wurde.

Schlaue Entscheidung nach nur einem Jahr Betrieb daher: Delegieren. Und die nächste schlaue Entscheidung: Delegieren an die Ludwig-&-Adele-Leute, die bekanntlich nicht unter irgendwelchen Selbstverwirklichungsfantasien leiden, sondern als beinharte Pragmatiker bekannt sind.

Mitte September übernahm das Kollektiv aus Bregenzerwälder Gastronomen und Tischlern also das Lokal, gestaltete ein bisschen um, machte den attraktivsten Raum – das bisher unerklärlicherweise stets geschlossene Dachgeschoß samt großartiger Terrasse – zum primären Ort der Handlung und dachte sich ein sehr einfaches kulinarisches Konzept aus: frisch gebackene Focaccia-Fladen in drei verschiedenen Teigvarianten, die man sich in acht unterschiedlichen Versionen belegen lassen kann.

Okay, die Neuerfindung der Biergastronomie ist das jetzt nicht gerade, aber immerhin nicht schlecht. Ziegenfrischkäse mit Babyspinat, karamellisierten Kürbiskernen und einem ominösen Distel-Apfel-Dressing etwa ist eine vegetarische Option, gegen die sich wirklich nichts sagen lässt, die Oliven-Rosmarin-Focaccia dazu war vielleicht nicht ganz die optimale Wahl, Fenchel-Knoblauch wäre besser gewesen. Die hatte ich aber zu Prosciutto-Rucola-geriebenem-Pecorino-Balsamico, also dem klassischsten aller Beläge, zu dem das Rosmarinbrot vielleicht besser gepasst hätte.

Egal, spektakulär jedenfalls die Kombination von Anchovis, gebratenem Bauchspeck und Marillen-Chutney, eigentlich die einzige mutige Option, da könnte man noch ein bisschen in diese Richtung arbeiten (alle drei je € 6,50). Und auch nicht schlecht wäre eine Empfehlung, zu welchem der Ottakringer Brauwerk-Biere die eine oder andere Focaccia am besten passen könnte. Das ist jetzt jedenfalls ganz ordentlich und sicher nicht die schlechteste Möglichkeit am Yppenplatz, ein Bier zu trinken und einen Happen zu essen.

Resümee:

Das Ottakringer Brauwerk-Lokal Yppenplatz 4 bekam neue Betreiber und ein neues Konzept und funktioniert jetzt ganz brav.

Ludwig & Adele am Markt
16., Yppenplatz 4
Tel. 01/402 66 44
Mo–Do 11–23
Fr, Sa 9–23 Uhr
www.ludwigundadele.at


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