Bis die Schamlippen bluten

Mit ihren weiblichen Romanfiguren kennt Elfriede Jelinek keine Gnade. Ihre aufklärerische Haltung fordert den Untergang

Frontbericht: Nicole Scheyerer | Feuilleton | aus FALTER 41/16 vom 12.10.2016

Im Jahr 1977 besuchte Elfriede Jelinek in Berlin "Die kritischen Tage der Frau". Sie hielt auf dem Kongress aber keinen Vortrag, sondern nahm als Redakteurin der Zeitschrift Die schwarze Botin teil. In dieser Zeitung, die sich als intellektuelle Alternative zu Emma oder Courage verstand und "gegen den klebrigen Schleim weiblicher Zusammengehörigkeit" auftrat, verfasste Jelinek einen abschätzigen Tagungsbericht.

"Sehr beliebt waren Erlebnisschilderungen vom Alltag der Schriftstellerinnen, Gattinnen und Mütter (alles eine Person), außerdem die Beschreibung von Schwangerschaftsnarben", spottete die damals 31-jährige Autorin in ihrem Resümee. "Was von einer Frau kommt, ist sowieso gut, wenn Frau einem dabei ständig sagt, dass sie eine solche ist und daher leidet."

Seit Beginn ihrer öffentlichen Laufbahn hat Jelinek zwar stets ihre feministische Haltung betont, aber mit dem Mainstream der Frauenbewegung hatte sie wenig gemein. Ihre frühen Romane wurden in den 1970er-Jahren für deren

Abo hier bestellen Abo hier bestellen
Bestellen Sie hier ein FALTER-Abo Ihrer Wahl und erhalten Sie sofort einen Digitalzugang, um Artikel kostenfrei zu lesen.
Wenn Sie kein FALTER-Abo haben, können Sie diesen Artikel hier einzeln kaufen, als neuer Nutzer kostenfrei mit Startguthaben.

Lesen Sie diesen Artikel in voller Länge mit Ihrem FALTER-Abo-Onlinezugang.

Passwort vergessen?

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

×

Anzeige

Anzeige