Gergelys Widerstand

Ungarns wichtigste regierungskritische Zeitung sperrte über Nacht zu. Kann Márton Gergely sie retten?


Bericht: Benedikt Narodoslawsky
Medien | aus FALTER 42/16 vom 19.10.2016


Foto: Christian Wind

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Márton Gergely verteilt Protest-Visitenkarten. Der Name seiner Zeitung Népszabadság („Volksfreiheit“) steht darauf, aber nur noch den ersten Teil davon kann man lesen. Ein fetter Strich hat „szabadság“ („Freiheit“) ausgelöscht. „Beurlaubter stv. Chefredakteur“ steht auf seiner Karte, darunter die private E-Mail-Adresse. Sein Firmenmail funktioniert nicht mehr. Sein Verlag hat es ihm über Nacht abgedreht. Anfangs hielten er und seine Kollegen das noch für einen Fehler. Man hatte ihnen gesagt, die Budapester Redaktion ziehe um, auf die andere Seite der Donau. Also machten sie sich an die Arbeit, räumten ihr Büro aus und verstauten alles in Kartons.

Doch nachdem sie die Redaktion verlassen hatten, gab es keinen Umzug. Die Journalisten waren weg, die Büros blieben zugesperrt. Nur eine Aussendung der Firma drang noch nach draußen. Népszabadság, die größte politische Tageszeitung des Landes, macht dicht. Weder der Betriebsrat noch der Chefredakteur noch er selbst hätten davon irgendetwas gewusst, erzählt Gergely. „Sie haben uns über die Brücke in die Falle gelockt und sie dahinter gesprengt.“

Unter Premier Viktor Orbán verstummen Ungarns kritische Medien. Wenn eine Zeitung wie Népszabadság zusperrt, reiht sie sich deshalb nicht kommentarlos ein in die Parten des Zeitungssterbens. Dafür sind die Anzeichen zu verdächtig. Gergely ist am Freitag nach Wien gekommen, um darüber zu sprechen, er sitzt nun im Presseclub Concordia, allein an einem langen Tisch, ihm gegenüber eine Schar internationaler Reporter. Gergely, fließendes Deutsch, hat seine Kollegen aus seiner Redaktion im Raum verteilt. Sie sind Botschafter für die gemeinsame Sache, sprechen etwa Spanisch, Russisch und Englisch.

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