"Wir machen den Kindern zu viel Druck"

Manfred Richter, Turnlehrer in Wien, über den Wert der Turnstunde und die Schule als Erziehungsplatz


Interview: Johann Skocek
Stadtleben | aus FALTER 42/16 vom 19.10.2016

Seit Jahren wird über den Sportunterricht an Schulen diskutiert. Im Burgenland hat nun mit Schuljahresbeginn die Mehrzahl der Pflichtschulen die tägliche Turnstunde in den Lehrplan aufgenommen. In Wien hat sich bislang nichts geändert: Die Kinder bewegen sich zu wenig.

Im Amerlinggymnasium in Mariahilf hat es gerade zur Zehn-Uhr-Pause geläutet. Kinder toben durch die Gänge, auf dem Sportplatz im Hof ist ein Kickerl im Gange. Zum unteren der zwei Turnsäle strebt eine Mädchenschar, der obere Turnsaal ist leer. Nur Manfred Richter, Turn-und Deutschprofessor seit 39 Jahren, lehnt an der Sprossenwand. An die 100 Skikurse hat er geleitet, 2011 haben seine Buben die Wiener Schülerliga gewonnen.

Falter: Herr Professor, wie haben sich die Kinder seit den 80er-Jahren verändert, konnten sie früher besser kicken?

Manfred Richter: Nein, denn wir haben weniger Ausländerkinder gehabt und die meisten von denen können kicken. Eine Tendenz ist die zunehmende Zahl an Überbehüteten, die wenig alleine

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