Film Neu im Kino

Kuscheln und Cupcakes kacken gegen den Terror

Lexikon | Klaus Nüchtern | aus FALTER 42/16 vom 19.10.2016

Nach dem beliebten "Was bisher geschah"-Einstieg in handgeschnitzter Bilderbuch-Ästhetik wird der ab dem Säuglingsalter freigegebene Film ziemlich schnell ziemlich schrecklich: Prinz Gristel soll den ersten Troll seines Lebens fressen, denn für einen Bergen wie ihn ist das die einzige Chance auf Glück. Rettung wird der als besonderer Leckerbissen auserkorenen Troll-Prinzessin Poppy in letzter Sekunde zuteil, die böse königliche Köchin Chef wird verstoßen, und die dem bekannten Sixities-Spielzeug nachanimierten Trolle haben erst einmal 20 Jahre, um zu kuscheln und Cupcakes zu kacken, ehe das endorphingetriebene Frohsinnsvölkchen mit seinem ewigen Partygewummer (wie man's auch von den Lemuren aus "Madagascar" kennt) die Bergen wieder auf ihre Spur bringen - ganz so, wie es der muffige und paranoide Branch immer vorhergesagt hat.

Es könnte im jüngsten 3D-Animationsspektakel aus dem Hause Dreamworks jetzt natürlich auch um die politisch brisante Frage gehen, ob die Trolls ihren hedonistischen westlichen Lebensstil in Zeiten des Terrors beibehalten. Der Film konzentriert sich aber auf die Rettungsexpedition des ungleichen juvenilen Heldenpaars Poppy/Branch nach Bergen-Stadt und pappt eine "Aschenputtel"-Story drauf, weil ja vielleicht auch depressive Ungusteln und Schiachperchten wie die Bergen legitime Glücksansprüche haben. So präsentiert sich "Trolls" als eine psychedelisch bunte und buchstäblich haarsträubende -baby, shake your hair extensions! - Nummern-Revue im Materialmix der 60/70ies (Echtwollanteil: 0 %), in der sehr viel gesungen, abgeshakt und discogebladet wird, was in der deutschen Synchronfassung, in der Anna Kendrick (Poppy) und Justin Timberlake (Branch) durch Lena Meyer-Landrut und Mark Foster ersetzt wurden, den Penetranzfaktor noch in die Höhe treibt.

Ab Fr in den Kinos (OF-3D im Haydn)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige