Heidi List Sexkolumne. Aufklärung für Zeitgenossen

Bluff

Kolumnen/Zoo | aus FALTER 42/16 vom 19.10.2016

Ab 45 wird der Sex erst richtig gut, besagt eine Studie. Ällerlätsch Butterpfletsch! Endlich passiert etwas von allein. Punkt 45. Geburtstag klopft es an der Tür, und die bedingungslose Wollust spaziert herein. Begleitet von Almighty Chill und Everlasting Mojo. Endlich, nach all den Jahren des Fleißes und der Konzentration, um das Leben zu wuppen, gibt es jetzt die Belohnung. Sex am Peek, nur weil man unabsichtlich älter geworden ist.

Kurz vor diesem versöhnlichen Gefühl in der Magengrube, das so flattert und orange ist, ein bisschen ähnlich wie Verliebtsein, liest man den ernüchternden Hammer: Der Sex ist deswegen gut, weil man den anderen Kram schon abgefrühstückt hat: Kinder ja/nein, Karriere ja/nein, dass man ist, wer man ist. Und dass er kommt, der Tod. Daher bleibt nur mehr, und jetzt kommt's: "mit ein wenig regelmäßiger Meditation und körperlicher Ertüchtigung" der super Sex. J'accuse, bitte sehr! Ich habe mich schon von Lou Reed verraten gefühlt, weil er beim Tai-Chi gestorben und nicht etwa bummzu von der Bühne gefallen ist. Jetzt ist mit Buddha zu turnen für den Sex? So ein Bluff!


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige