Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Cider

Halbtrocken, sanft perlend: Ein Apfelwein mit Philosophie


GP
Stadtleben | aus FALTER 42/16 vom 19.10.2016

Irgendwann hat Natalie Resch es nicht mehr ausgehalten. Jahrelang sah sie zu, wie ihre Eltern, Obstbauern im südsteirischen Gamlitz, immer mehr Äpfel fast verschenken mussten. Jene nämlich, deren Aussehen nicht der Norm entspricht. Es gibt da einen bösen Messring, und wer durch diesen als zu klein durchfällt oder wegen einer Delle nicht durchpasst, für den heißt es ab in Klasse 2 oder zum Pressobst. Zum Spottpreis. "Obwohl die Früchte qualitativ hochwertig sind", sagt Resch.

Also begannen Natalie Resch und ihr Lebensgefährte Markus Kehrer (daher der Name Mana) 2014, Wein aus den "individualistischen" Idared-und Gala-Äpfeln herzustellen. Der bekannte Gamlitzer Winzer Reinhard Muster überwachte das Heranreifen. Das Ergebnis: ein halbtrockener Apfelwein. Perlend und fruchtig, aber nicht so süß wie viele Cider, denen oft Saft beigemengt ist. Da 2015 ein besonders sonniges Jahr war, hat der aktuelle Jahrgang 6,0 Volumsprozent.

Inzwischen führen zahlreiche Lokale und Geschäfte in Graz und Wien den Apfelwein, darunter das Café Philogreissler in Wien und das Steirereck am Pogusch.

Der 2016er-Jahrgang wird aufgrund eines Ernteausfalls nicht aus Gamlitz stammen. So kommt das Obst heuer von einem Hartberger Hof. Das passt gut, Mana will ohnehin mehr Höfen einen guten Preis für ihre angeblichen Klasse-2-Äpfel ermöglichen.

Rezensierte Getränke wurden der Redaktion fallweise umsonst zur Verfügung gestellt


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