Kommentar Vergangenheitspolitik

Hitlers Geburtshaus in Braunau darf nicht abgerissen werden


Barbara Tóth
Falter & Meinung | aus FALTER 42/16 vom 19.10.2016

Innenminister Wolfgang Sobotka hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, was ihm am liebsten wäre, wenn die Republik Hitlers Geburtshaus in Braunau endlich ihr Eigentum nennen kann. Abreißen und der leidigen Geschichte ein Ende setzen. Jahrelang zogen sich die Verhandlungen mit der betagten Eigentümerin hin, bis sie das historisch kontaminierte Objekt freigab (siehe Seite 50).

Aber ein Abriss wäre das genau falsche Signal. Es verblüfft, dass ausgerechnet Sobotka, der studierte Historiker, das nicht versteht. Auch die von ihm eingesetzte Expertenkommission empfiehlt ausdrücklich keinen Abriss, sondern nur eine "tiefgreifende architektonische Umgestaltung".

Es würde uns in der Welt zu Recht als Leugnung unserer Geschichte ausgelegt werden, als plumper Versuch, die ganze Nazi-Vergangenheit mit der Abrissbirne endgültig auszulöschen. Außerdem waren es die Nazis selber, die Hitlers Geburtshaus in den letzten Kriegstagen zu sprengen versuchten. Die amerikanischen Alliierten vereitelten das Vorhaben. Wenn die Republik es jetzt, 71 Jahre später, niederreißt, setzt sie sich logischerweise dem Vorwurf aus, zu vollenden, was den Nazis damals nicht gelang. Wie absurd!

Die Experten empfehlen allerdings auch nicht, ein Zeitgeschichte-Museum oder Ähnliches in Braunau zu etablieren. Auch das hätte zu viel Symbolkraft und könnte zum Mekka für braune Touristen werden.

Sie plädieren dafür, das Haus in die Normalität zurückzuholen: als Sitz einer Behörde oder einer karitativen Einrichtung. So, wie es bis vor einigen Jahren der Fall war, als Menschen mit Behinderung dort betreut wurden, bis die Eigentümerin das vereitelte.

Der Innenminister sollte genau diesem klugen Vorschlag folgen.


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