"Hier wurde doch unser Führer geboren!"

Nach jahrelangen Streitereien will der Innenminister Hitlers Geburtshaus in Braunau enteignen und abreißen. Wie gehen die Braunauer mit ihrem schwierigen Erbe um? Ein Besuch

Landleben | Reportage: René Jo. Laglstorfer und Barbara Tóth | aus FALTER 42/16 vom 19.10.2016


Foto: Imagno / picturedesk.com

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San wir in Timbuktu oder was!“, schreit der ältere Herr genervt über die Theke. Gerlinde Pommer enteignen? Die Eigentümerin von Hitlers Geburtshaus im Zentrum von Braunau? Das geht Timo zu weit. Er ist Wirt im „Vorstadtimbiss“ in Sichtweite zum wohl bekanntesten Gebäude der Stadt. Nur 50 Meter trennen die kleine Würstelbude mit Schanigarten vom großen Biedermeierhaus mit Schimmelflecken. „Der is jo gor ned dort geboren, sondern im Stall dahinter, wo jetzt die Parkplätze stehen“, wirft ein Gast in die Runde. Pommer werde alle juristischen Mittel gegen die Enteignung ausschöpfen, raunt ein anderer. „Recht hod s’ – i würd ma des a ned gfoin lossen“, sagt Timo.

„Der Oide is genau nur 36 Monate in Braunau gewesen“, sagt jetzt Klaus. Er ist wie die meisten im Lokal Pensionist, früher war er Vermessungstechniker. Wie die Jungfrau zum Kind sei Braunau dazu gekommen, weltweit mit nur einem bestimmten Mann verbunden zu werden. „Das wird die Stadt ewig verfolgen, das wird nie aufhören“, klagt er. Hier in Braunau habe die Mehrheit das Thema satt, er selbst auch. Zum Lachen finden die Gäste im Vorstadtimbiss nur folgende Anekdote, die Klaus gleich zum Besten geben wird. „Letztens fragt mich ein Japaner mit dem Rücken zum Geburtshaus, wo denn Hitler geboren wurde. Mir is es am Orsch gangen und da hab ich ihn über die Grenzbrücke nach Simbach geschickt.“


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