Radfahren, aber bitte mit Style!

In Berlin gibt es sie bereits seit sieben Jahren, jetzt kommt die Fahrradschau auch nach Wien

Lexikon | Vorschau: Lisa Kiss | aus FALTER 42/16 vom 19.10.2016


Foto: Rene Ziegler

Foto: Rene Ziegler

Wien darf Berlin werden, zumindest wenn es nach den Fahrradfans geht. Die Berliner Fahrradschau bekommt am Wochenende eine kleine Schwester in der Marx Halle. Der denkmalgeschützte Bau mit seiner imposanten Schmiedeeisenkonstruktion bietet den idealen Rahmen für die Messe rund um ausgefallene Räder – vom Vintage-Rad bis zum modernen Stadtrad, von Lastenrädern bis zum Designerschmuckstück.

Das Fahrrad dient nicht mehr länger als Fortbewegungsmittel, mit dem man besonders nachhaltig von A nach B kommt. Vom reinen Sportgerät mausert es sich zum ästhetischen Kultobjekt, das stylish, individuell und ausgefallen sein muss und auch etwas kosten darf. Im Hipsterepizentrum Berlin kauft man sein Fahrrad nicht einfach im Geschäft, man lässt es sich in kleinen Manufakturen liebevoll auf den Leib schneidern. So weit ist man bei uns noch nicht, dafür blickt der Berliner Cyclist neidvoll auf die radfahrtaugliche Infrastruktur der österreichischen Hauptstadt. Die Wiener Fahrradschau bringt nun zusammen, was zusammengehört.

Es gibt Themenschwerpunkte in insgesamt sechs Bereichen. Bei „Urban Lifestyle“ stellen Anbieter schöner, puristischer Stadträder wie die kleine Londoner Manufaktur Bobbin aus. Ebenso sind hier die praktischen Cargo-Bikes zu finden, etwa jene von Wiens einzigem fairen und ökologischen Fahrradbotendienst Heavy Pedals. Wer ein hochwertiges Kinderfahrrad sucht, sollte sich ebenfalls in diesem Bereich umschauen.

Auf ein schickes Fahrrad setzt man sich natürlich auch gern fesch gekleidet. Das passende, modische und gleichzeitig hochwertige Outfit bekommen Fahrrad-Fashionistas im Bereich „Velo Couture“. Hier gesellt sich eine spannende Marke neben die andere. Bequem und trotzdem schick sind etwa die Hosen und Jacken des auf hochwertige Materialien setzenden heimischen Anbieters Verdandy; schön gestaltete Renntrikots in limitierter Auflage zeigt das Wiener Label Trikoterie.

Individualität wird im Bereich „Handmade“ ganz groß geschrieben, so stellt die polnische Radmanufaktur Erboo auf der Wiener Fahrradschau ihr neuestes handgemachtes Edelbike vor. Hier wird am Freitag um 18 Uhr auch das „Ridentity“ enthüllt, ein Fahrrad, das kleine Wiener Handwerksbetriebe aus allen 23 Bezirken gemeinsam erschaffen haben.

Die E-Mobility Area widmet sich dem nach wie vor aufstrebenden E-Bike-Trend. Das Rad mit Zusatzmotor ist eine durchaus ernstzunehmende Alternative zum Auto – und elegant noch dazu, wenn man etwa das One eCycle aus der Heidelberger Manufaktur Coboc sein Eigen nennt. Schlicht und grazil kommt es daher, die Akkus sind im Rahmen versteckt, der Ladestecker wird mittels Magnet am Bike fixiert. Der Apple unter den E-Bikes sozusagen.

Anhänger spezieller Cycling-Subkulturen – Cyclocross, Triathlon, Fixed oder der vielen Mountainbike-Varianten – kommen in der „Ambition“-Area auf ihre Kosten. Der letzte Bereich gehört dem „Travel & Touren“-Segment im Radbusiness.

Zur Eröffnung dieser ersten kuratierten Fahrradmesse wird die Zieleinfahrt des Berlin-Wien-Radlers Michael Strasser erwartet, sowie die Ankunft der Critical-Mass-Fahrer, die um 17 Uhr vom Schwarzenbergplatz losradeln. Im umfangreichen Rahmenprogramm findet sich das First Vienna Bike-Polo (Finale: Sa 22 Uhr), die BMX-Flatland-Workshops mit dem mehrfachen Weltmeister Viki Gomez und dem Wiener Flatland Local Sebastian Grubinger (Sa 12 und 17 Uhr, So 11, 14 und 16 Uhr) und natürlich der Vienna Tweed Ride – eine Fahrradparade, bei der die Teilnehmer in Knickerbocker und die Teilnehmerinnen im hübschen Kleid entspannt durch die Stadt rollen (So 13 Uhr).

Beim Radkult Kiddie Ride radeln ganze Familien begleitet von der Rad-Lobby und ihrem Drachen-Soundmobil vom Schwarzenbergplatz über die Landstraßer Hauptstraße zur Marx Halle, wo der „Kiddie Corner“ auf die Kleinen wartet (Sa 11 Uhr).

Ein besonderes Highlight dürfte die WM-Qualifikation zum Brompton-Race 2017 in England werden. Für das Rennen mit den kultigen und natürlich handgefertigten Falträdern aus Großbritannien gilt ein strikter Dresscode: Männer treten in Jackett und Krawatte an, Damen bestreiten den Contest über das Gelände des ehemaligen Zentralviehmarkts im schicken Kleid (So 14 Uhr). Anmeldungen werden online unter www.brompton.com entgegengenommen.

Filme von und für Fahrradfans zeigt das Radkult-Festival, das im Rahmen der ersten Wiener Fahrradschau sein fünftes Jubiläum feiert. Der Film „Rennradfieber“ von Oliver Kratz läuft als österreichische Erstaufführung, zu sehen sind auch die kubanische Dokumentarfilmreihe „Ciclismo Cubano“, der retro-futuristische Splatter-Irrsinn „Turbo-Kid“ und „Cycling Hero/ines“ mit Kurzfilmen und Dokumentationen, die vom urbanen Ottakring bis ins ferne Uganda führen, zu den Heldinnen und Helden der jeweiligen lokalen Bike-Communities.

Marx Halle, Fr 18.00 bis 23.00, Sa, So ab 10.00
www.wienerfahrradschau.at


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