Vergiss Burger, jetzt kommt Bao

Und schon wieder neues Streetfood in der Straße, diesmal aus Taiwan


LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER
Stadtleben | aus FALTER 42/16 vom 19.10.2016


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Das Lokal sei vor zwei Monaten auf „Willhaben“ gestanden, sagt Remo Girstmair, Tristan St. James angeblich wieder in London, der fröhliche Cornwall Pasty Pirates-Laden jedenfalls Geschichte. Und weil er und sein Kumpel ohnehin seit einer gemeinsamen Reise nach Taiwan ein Bao-Projekt im Hinterkopf hatten, griffen sie zu. Bao – gefaltete und mit allerlei würzigen Sachen gefüllte Germteigfladen – gäbe es in Taiwan nämlich an jeder Ecke und in tausend Varianten, erzählt Remo, Bao sei in Taiwan das Streetfood schlechthin.

Tatsächlich haben die flaumigen Fladen derzeit ziemlich gute Karten, wie’s scheint. Sie liegen gut in der Hand, ungefähr so wie Tacos, und sind noch weicher als selbst die weichsten Burger-Buns – und „Weichheit“ ist in der Streetfood-Szene ja ein ganz wichtiger Punkt.

Remo Girstmair, der in der Schweiz die Hotelfachschule gemacht hat und seit zwei Jahren in Wien lebt, sagt, sie hätten lange daran getüftelt, dass ihre Baos so richtig weich sind. Mehl, Germ, Zucker und Salz in der richtigen Menge gemischt, bei der richtigen Temperatur und für die richtige Dauer gehen lassen und dann vor allem im richtigen Gerät zubereiten – in der Bao Bar schafften sie sich dafür extra einen taiwanesischen Bambus-Dämpfer an, der da auch sehr prominent und unverkennbar asiatisch in dem sonst sehr grau-blau-hölzernen, schlicht gestalteten Imbisslokal prangt.

Einstweilen gibt es drei verschiedene Füllungen für die taiwanesischen Flausche-Fladen: Tofu, Huhn und – der Klassiker – Gua Bao, marinierter und geschmorter Schweinebauch. Man wählt zwei oder drei Bao (€ 6,90/8,90), und bis die Fladen fertig gefüllt sind, geht sich noch ein Soba-Salat aus, der in Kartons verpackt im Kühlschrank neben zwei japanischen Craft Beers von Hitachino Nest wartet.

Die Buchweizennudeln werden mit Karotten, Kraut, Erdnüssen, Koriander und Limettenspalte vermischt, fein, die Nudeln vielleicht etwas zu weich und ein bisschen nachwürzen kann man auch noch, aber insgesamt schon ein guter, erfrischender Nudelsalat (€ 3,50).

Und schon sind die Bao fertig, die Version „Huhn“ wird recht einheimisch interpretiert, nämlich mit knusprig paniertem Hühnerschnitz, zu dem sich Rote Rübe, Gurke und eine Honig-Sesam-Wasabi-Marinade gesellen, nicht schlecht. Der Schweinebauch liegt in Form einer Schnitte mit leider etwas lascher Kruste im Fladen, mariniert mit süßer Hoisin, dazu Gurke, Koriander und Erdnuss, auch sehr gut, das entscheidende bisschen Wahnsinn fehlt aber noch irgendwie. Zu den drei Standard-Baos soll’s in Zukunft auch den ein oder anderen saisonal gefüllten Fladen geben, gut so.

Und die Tarowurzel-Lieferschwierigkeiten sollten bitte bald bereinigt werden, weil die Taro-Pommes mit koreanischem Ketchup machen schon ziemlich neugierig.

Resümee:

Nach mexikanischem, vietnamesischem, chinesischem und orientalischem nun auch taiwanesisches Streetfood – flaumig und gut.

Bao Bar
7., Zollergasse 2
Mo–Sa 11.30–20.30
www.baobar.at


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