Am Apparat Telefonkolumne

Was wissen wir nun über Wiens Jugendliche, Frau Frauenberger?

Interview: Josef Redl | Politik | aus FALTER 42/16 vom 19.10.2016

Im Auftrag der Stadt Wien wurden im Winter 2014/2015 im Rahmen einer Wertestudie in Jugendzentren mehr als 400 Wiener Jugendliche befragt. Die Ergebnisse sind nun da. Aus der Studie geht hervor, dass mehr als ein Viertel der muslimischen Jugendlichen latent radikalisierungsgefährdet ist. Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger erklärt, was nun passieren muss.

Was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Erkenntnisse aus der Studie?

Es gibt eine Veränderung bei unseren Jugendlichen. Wir sehen, dass eine immer stärker polarisierende Gesellschaft dazu führt, dass Jugendliche auf Identitätssuche sich stärker an Extremen orientieren.

Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenhang die Jugendarbeit der Stadt Wien ?

Die Studie stellt der offenen Jugendarbeit ein gutes Zeugnis aus. Die Arbeit stößt aber auch an ihre Grenzen. Die Zahl der Jugendlichen, die selbst Diskriminierung erlebt haben, ist sehr hoch. Jugendliche, die solche Erfahrungen gemacht haben, grenzen selbst eher aus.

Haben Sie die Ergebnisse -etwa dass mehr als ein Viertel der muslimischen Jugendlichen radikalisierungsgefährdet ist -überrascht?

Ich bin Integrationsstadträtin. Überrascht hat es mich nicht, denn dann würde ich ja verkennen, was in dieser Stadt abgeht.

Besonders unter muslimischen Jugendlichen gibt es starke Tendenzen zu Antisemitismus und Homophobie. Wie will man dem begegnen?

Antisemitismus und Homophobie sind große Probleme. Egal aus welcher Gruppe sie kommen. Wir müssen nicht nur bei den Jugendlichen und in den Schulen ansetzen, sondern verstärkt bei den Eltern. Die Eltern sind Vorbilder. In dem Bereich müssen wir Werkzeuge entwickeln.

Was für Werkzeuge geben Sie den Jugendarbeitern?

Zum Beispiel Schulungen. Wir haben mittlerweile bereits über 3000 Mitarbeiter der Stadt Wien geschult, wie man auf religiöse Radikalisierung richtig reagiert.


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