Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Jelinek, Strache


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Falter & Meinung | aus FALTER 42/16 vom 19.10.2016

Weniger getrieben von den Furien der Aktualität, ließ sich der Falter mit Geburtstagswünschen für Elfriede Jelinek etwas Zeit. Dafür war die Gratulantin umso kompetenter, Marlene Streeruwitz.

Streeruwitz stellte Jelineks Stück "Stecken, Stab und Stangl", eine Abrechnung mit Österreich, seiner Zeitung und seinem Kolumnisten die Literatur von Männern wie Mario Vargas Llosa gegenüber, "pures 19. Jahrhundert, () eine Auffassung von Literatur (...) die nach dem Rezept produziert, das seit 3000 Jahren schon nicht funktioniert: Diese Literatur brachte Frieden nicht."

Die Autorinkollegin stellte die Frage, die sie heute so nicht mehr stellen würde, aber damals so stellen musste: "Warum kein Ruhm für das alles?", und antwortet selbst: "Die Autorin ist eine Frau. Eine schöne Frau." Die allerdings weniger Ruhm erntete als Verfolgung, vor allem vonseiten der extremen Rechten. Haider hetzte gegen sie auf Plakaten, die Krone schmähte sie in Gedichten.

In der Wiener FPÖ kamen ein paar Junggesichter an die Macht, die heute mit der Haider-FPÖ nichts mehr gemein haben wollen, ja, diese Partei erst seit 2006 gelten lassen, denn all die miese Regierungsarbeit und die Milliardenskandale, mit denen haben sie nichts zu tun.

Nikolaus Amhof, Josef Wagner und, genau, Heinz-Christian Strache hießen die blauen Jungtalente, die darangingen, sich parteiintern an die Macht zu putschen. Als der jüngst verstorbene Gaskammernleugner John Gudenus bei einem Wahlkampfauftakt der FPÖ im Konzerthaus bei der Vorstellung von Strache "als einzigem Funktionär in laute Jubelrufe ausbrach", war das für Strache natürlich nicht von Bedeutung. "Ich bin ihm wahrscheinlich sympathisch, weil ich mit allen Leuten reden kann", sagte er Martin Staudinger, der ihn nach seinem rechtsextremen Fan befragte. Die weggeputschte Bezirksobfrau Ingrid Kariotis begründete ihren Rücktritt und Parteiaustritt so: Ich kann nicht guten Gewissens Mitglied bei einer Partei sein, die Rechtsradikalismus duldet, deckt und sogar fördert."


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