Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Matthias Dusini | aus FALTER 42/16 vom 19.10.2016

Es heißt, die Kritik würde durch das emotionale Internet zusehends zum Ressentiment verkümmern. Wer die letzte Ausgabe des "Literarischen Quartetts" (ZDF) gesehen hat, wird der These zustimmen. Moderiert von dem Spiegel- Kritiker Volker Weidermann, diskutierten der Kolumnist Maxim Biller, die TV-Moderatorin Christine Westermann und der Schriftsteller Thomas Glavinic über literarische Neuerscheinungen.

Maxim Biller verkörperte in einer Mischung aus Zynismus und weinerlicher Betroffenheit einen in den 1980er-Jahren erfolgreichen Typus von Intellektuellen. Moderator Weidermann gefiel sich in der Rolle des Zündlers, der Gehässigkeit mit Disput verwechselte. Die einzige Frau in der Runde, Christine Westermann, spürte zwar, dass sie von der eitlen Männerrunde nicht ernst genommen wurde, fand aber nicht die Worte, ihren Unmut zu artikulieren. Die letzten Regungen intellektueller Redlichkeit wurden von Thomas Glavinic vernichtet, der vom "Wunder großer Kunst" stammelte. Jede Amazon-Rezension ist dagegen ein Ausbund analytischer Schärfe.


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