Ausstellung Tipp

Auf den Highways zwischen Ost und West

Lexikon | NS | aus FALTER 42/16 vom 19.10.2016

Als eine Begeisterung, die von linksalternativer Seite eher scheel angesehen wurde, beschreibt Michael Zinganel sein Faible für Autobahnen. Der Künstler hat gemeinsam mit Michael Hieslmair zu den sogenannten Straßenverkehrskorridoren geforscht, also jenen Asphaltpisten zwischen Ost und West. Zu diesem vom Wiener Wissenschafts-, Forschungs-und Technologiefonds finanzierten Projekt werden nun gleich zwei Ausstellungen gezeigt, in der Akademie der bildenden Künste und in den Büroräumen der Künstler beim Nordbahnhof.

Es ist ein wohlwollendes Auge, das die Schau "Road*Registers" prägt; grelle Sujets zu Schlepperei, Prostitution oder Umweltzerstörung findet man hier -zum Glück -nicht. Stattdessen widmet sich der erste Abschnitt der bulgarischen Staatsspedition Somat, die in den 1980er-Jahren zu den größten Europas zählte. Zu sehen sind etwa Firmenfotos vom 20-Jahr-Jubiläum und eines der Somat-Motels, aber auch Schmuggelgut aus dem Besitz eines Somat-Fahrers. Den Link zur Gegenwart stellt Thomas Grabka her, der mit seiner Kamera einen Kleinbusfahrer begleitet, der Leute zwischen Rumänien und ihren Arbeitsorten auf Spargelfeldern oder Baustellen hinund herfährt.

Die Ausstellung bietet auch Hörstationen, etwa eine Audioreportage zum Wiener Busbahnhof. Die Künstlerin Sonia Leimer steuert Asphaltstücke zur Schau bei, die sich am Ausstellungsboden wie Fundstücke ausnehmen; Johanna Kandl hat in ihren Gemälden immer wieder die "Öffnung" der Märkte im Osten thematisiert. Die Balance zwischen Dokumentarismus und künstlerischen Beiträgen klappt prinzipiell gut, aber etwas mehr Info hätte nicht geschadet. Wer mehr über Statistiken, Verkehrsstudien und die zeitgenössischen "mobility studies" erfahren will, wird bei den Künstlern am Nordbahnhof fündig.

Akademie der bildenden Künste, Xhibit, bis 6.11.


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