Landrand Ruralismus

Wenn Bürgerwehrler die Pflicht verspüren

Landleben | aus FALTER 42/16 vom 19.10.2016

Viel wurde zu Jahresanfang patrouilliert und kontrolliert. Die einen beruhigten die Bevölkerung, indem sie betonten, versiert in Würgegriffen zu sein. Die anderen rollten nächtens im Schritttempo über Landstraßen und sprachen vom Auto aus warnende Worte an unbegleitet umherstreifendes Weibsvolk.

Inzwischen ist es still um die wehrhaften Bürger geworden -aber es gibt sie noch, wie eine 17-jährige Grazerin lernte. Des Nachts versperrte ein älterer Mann dem dunkelhäutigen Mädchen mit dem Rad den Weg. Wer sie sei, fragte er. Das gehe ihn nichts an, sagte sie. Ob sie etwas suche, wo sie wohne? Sie gehe sicher nirgendwohin, schrie er: "You want police? I call police." Als das Mädchen selbst die Polizei alarmierte, rief der Mann ins Handy: Man brauche nicht zu kommen, er habe alles im Griff. Er sei selbst bei der Polizei gewesen, verspüre aber auch in der Pension die Pflicht zu patrouillieren. Zumal in der Nähe eingebrochen worden sei und das Mädchen "fremd" aussehe.

So schnell geht's, und die Grenze vom vermeintlichen "Der-Polizei-Helfen" zum Polizei-Spielen ist überschritten. Die junge Frau brachte Anzeige wegen Amtsanmaßung ein.


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