Spital oder Rettung? An der Taborstraße droht dem Bau eines Ringstraßenarchitekten der Abriss

Stadtleben | aus FALTER 42/16 vom 19.10.2016

Zur Rettung aufgerufen wird auch in der Leopoldstadt. Hier ist keine Kirche (Artikel rechts) gefährdet, sondern ein Wohnhaus - jedoch nicht irgendeines. Bei der Immobilie in der Taborstraße 18 handelt es sich um das ehemalige Hotel National, 1848 errichtet und entworfen von Ludwig Förster und Theophil Hansen, dem späteren Architekten des Parlaments, des Musikvereins und der Akademie der bildenden Künste. Zwar hat der Bau seinen aufgesetzten Eckturm verloren, in seiner klaren Fassadengliederung beeindruckt er aber immer noch. Bedroht wird das Gebäude von seinem Nachbarn, dem Spital der Barmherzigen Brüder.

Diese sind nunmehr auch schon seit Jahrhunderten hier ansässig und planen eine Erweiterung. Die Bezirksvertretung beschloss den "Antrag zur Willensbekundung" einstimmig. Konkrete Pläne gibt es noch nicht, wie man beim Spital betont. Um ein modernes, funktionsfähiges Krankenhaus zu errichten, läge ein Neubau zweifellos näher als eine Umnutzung des alten Gemäuers, geben die Spitalsvertreter zu. Doch so einfach ist es nicht, denn der Hansen-Bau steht unter Ensembleschutz. Das heißt, eine Abrissbewilligung ist nicht so leicht zu bekommen, es ist aber auch nicht unmöglich. Man sei im Gespräch mit dem Bundesdenkmalamt, heißt es. Über die Lösung kann man bisher zwar nur spekulieren, dass in solchen Fällen gerne auf die Methode "Fassade stehenlassen, alles dahinter austauschen" zurückgegriffen wird, hat die Geschichte bereits mehrmals gezeigt. Die besorgten Bewohner wollen jedenfalls nicht warten und haben eine Bürgerinitiative gegründet, denn es droht der Räumungsbescheid. Sie fordern, das Haus unter Denkmalschutz zu stellen und bekommen dabei Unterstützung von der Initiative Denkmalschutz. Klar ist: Jede Stadt braucht Wohnraum und Spitäler. In Zeiten optimierender Spitalszusammenlegungen ist ein Krankenhaus in einem dicht bebauten Stadtkern jedoch bei allem Respekt auch ein gewisser Anachronismus.


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