Film Neu im Kino

Betagtes Glück: "Hinter den Wolken"

Eva Kleinschwärzer | Lexikon | aus FALTER 42/16 vom 19.10.2016

Cecilia Verheydens Langfilmdebüt "Hinter den Wolken" begleitet eine alte Liebe in neue Gefilde. Bei der Beerdigung ihres Mannes begegnet Emma Gerard. Er ist der Mann, gegen den sie sich in jungen Jahren entschieden hat, um eine Ehe mit Frederik einzugehen. Doch nun ist Emma verwitwet und Gerard steht ein weiteres Mal vor ihr und will nach über 50 Jahren einen neuen Versuch wagen. Dieser Gedanke löst nicht nur Angst und Unsicherheit bei Emma aus, sondern auch Unverständnis bei der Familie, die sich nur schwer vom Bild der trauernden Witwe als ungeschriebene soziale Norm lösen kann. Auch Emma kann ihre Gefühle nach dem Verlust nur schwer mit der neuen Lebenslust vereinbaren, die sie mit Gerard empfindet, denn tatsächlich können die beiden an die Vertrautheit von damals anknüpfen.

Ruhige Bilder und unaufgeregte Dialoge kennzeichnen diese Begegnung, die sich mit viel Charme und Witz entwickelt, sich dabei aber nie zu sehr in reinen Plattitüden ergießt. Dafür ist der Grundton der Romanze zu realistisch und auch ehrlich -nicht abgeklärt, sondern aufgeklärt. Emma und Gerard stehen für das Bild einer Generation, die in Wohlstand aufgewachsen ist und auch in hohem Alter noch fit, technologieaffin und selbstbewusst ist, anders als das Klischee der Tanzgesellschaften, wo Seniorinnen und Senioren zu taktlosen Keyboardtönen das Tanzbein -nun, nicht gerade schwingen.

Sehenswert ist der Film vor allem, weil er spielerisch bis ironisch mit diesen widersprüchlichen Vorstellungen umgeht und zeigt, dass es durchaus an der Zeit für einige Neologismen ist. In zunächst ganz unscheinbaren Nebensätzen werden so gesellschaftliche Fragen gestreift und Unterschiede zwischen den Generationen illustriert -ebenso wie überraschende Gemeinsamkeiten.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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