Erscheinungen Personen, Trends, Kampagnen

Werbung: Massenhysterie mit Ansage

Medien | Betrachtung: Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 42/16 vom 19.10.2016

Am 2. Dezember 2012 stellte Bianca Heinicke ihr erstes Video online: "Haare an der Kopfhaut flechten". Bevor sie damit begann, an ihrem Haar zu nesteln, sagte sie: "Ich hoffe, meine Videos gefallen euch und ihr abonniert mich alle." Knapp vier Jahre später zählt ihr Kanal "BibisBeautyPalace" rund 400 Videos und 3,8 Millionen Abonnenten auf Youtube.

Heute kann man Frau Heinicke als Testimonial buchen. Eine Möbelfirma holte die 23-jährige Deutsche vergangenen Donnerstag zum Jubiläum einer Filiale nach Wien. Im Vorfeld verkündete das Unternehmen in einer Presseaussendung: "Für Bibis Auftritt werden zahlreiche Fans erwartet."

Rund 3000 kamen. Frau Heinicke trat auf die Bühne, winkte in die Menge und rief: "Hallo, ihr Lieben!" Sie erntete Kindergekreische aus tausenden Kehlen. Als Frau Heinicke sich hinunterbegab, um Autogramme zu schreiben, drückte die Menge nach vorn gegen die Absperrung. Die Sache ging nicht gut.

Rund 20 Polizisten schritten ein, um das Menschenmeer zu teilen. Die euphorisierten Kinder ignorierten die Durchsagen der Beamten. "Sieben Personen mussten aufgrund von Atemproblemen vom Rettungsdienst vor Ort versorgt werden", bilanzierte die Polizei in einer Aussendung mit dem Titel "Autogrammstunde". Als die Möbelfirma die Vorstellung mit Frau Heinicke vorzeitig abbrechen ließ, waren ihr die Medienberichte am folgenden Tag schon sicher. Das bedeutet: Gratiswerbung im redaktionellen Teil. "Wir versuchen immer, die Veranstalter vorzuwarnen, weil wir wissen, was passieren kann, wenn viele Leute kommen. Aber es klappt halt nicht immer", sagte Frau Heinicke und konnte ihr stolzes Lachen nicht zurückhalten.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige