Das Theater der Populisten

Wie gewinnt man gegen die rabiate Rhetorik rechter Demagogen? Wie durchschaut man ihr Theater? Indem man die hohe Kunst des Framings versteht. Ein Gespräch mit dem Bestsellerautor George Lakoff

Interview: Christoph Hofinger | Politik | aus FALTER 42/16 vom 19.10.2016


Illustration: Georg Feierfeil

Illustration: Georg Feierfeil

Es scheint nahezu aussichtslos, gegen rechte Demagogen in einer Debatte zu gewinnen. Denn sie haben jahrelangen Vorsprung im „Framing“ und somit in der Kunst, das eigene Wertesystem bei Wählern zu stärken. Der US-amerikanische Linguistik-Professor George Lakoff hat erkannt, dass die Gegner der Populisten sehr genau auf ihre Sprachwahl achten müssen. Er hat die US-Demokraten im Obama-Wahlkampf beeinflusst und sieht die Arbeit von Hillary Clintons Beratern sehr kritisch. Ein Gespräch über die „Conservative Message Machine“, das „Strict-Father“-Prinzip und die Möglichkeit, Demagogen zu entzaubern.

Falter: Mister Lakoff, Sie haben die Bedeutung von Frames in der Politik erforscht und bekannt gemacht. Was bringt es Politikern, Framing zu verstehen?

George Lakoff: Zunächst wird ihnen klar, dass Frames nur zu einem ganz geringen Teil bewusst sind: Jedes Wort ist mit Inhalten verknüpft, diese Verknüpfungen sind aber größtenteils unbewusst. Zweitens ist politische Sprache immer mit Werthaltungen verknüpft – der Frage, ob etwas moralisch richtig oder falsch ist. Wenn ich als Politiker eine Kampagnen-Sprache verwende, die mein Wertesystem bei den Wählern stärkt, kann ich das Wahlverhalten beeinflussen; durch Wiederholung der Frames auch langfristig.

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